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Spingler, Markus im Interview

25 Juli 2009 Eingestellt von: Gerhard 83 klicks Keine Kommentare

Markus

Erzähl mal was über Dich…

Markus Spingler: Ich wohne in Flacht (einem Ortsteil von Weissach), bin verheiratet, habe zwei Kinder. Eines ist acht Jahre alt, eines fünf Jahre alt.  

Deine schulische und berufliche Ausbildung?

MS: Ich stamme aus Neuffen. Mein Vater war der Wirt der Bahnhofsgaststätte. Nach der Mittleren Reife bin ich zur Bank gegangen. Nach der Bank-Lehre folgte der Zivildienst beim CVJM Stuttgart, danach war ich mir nicht sicher, wie es weitergehen sollte. Weil ich nicht mehr zurück zur Bank wollte, bin ich auf eine Schule für „Physikalisch Technische Assistenten“ (PTA) gegangen. Im Labor hat mir allerdings der Kontakt zu Menschen gefehlt. Deshalb hab ich die Ausbildung abgebrochen.

Und bin zunächst zurück ins Bankgeschäft. Wohl wissend, dass das nicht der Weisheit letzter Schluss sein würde. Als Fachbereichsmitarbeiter habe ich dort den Einstieg in die IT (Informationstechnologie) mitbekommen in dem ich an einem IT – Projekt mitarbeiten konnte. Danach wollte ich in die IT einsteigen. Leider hat das aber nicht funktioniert.

So bin ich wieder zum CVJM Stuttgart zurück gekehrt, weil dort eine Stelle als Buchhalter frei wurde. Immer noch mit dem Wunsch, IT-Berater zu werden. Neben dieser Arbeit her habe ich eine Ausbildung gemacht zum Fachkaufmann für Organisation und Informations-Organisator. In der Hoffnung, dass mir das den Weg ebnen würde. Allerdings konnte ich dann in diesen Beruf nicht einsteigen, weil mich die „Unternehmen“ nicht wollten. Ich kam aus dem „Non-Profit-Bereich“, hatte im Verein gearbeitet und dadurch  fehlte mir die Wirtschafts- und Berufserfahrung zur damaligen Zeit – Unternehmensberatung oder Berater in einem Unternehmen hätte damals also nicht geklappt.

Ich habe dann einen Schnitt gemacht, das heißt, ich bin aus dem CVJM und aus dem Berufsleben ausgestiegen und bin zwei Jahre lang zur DV-Betriebs-Schule (Datenverarbeitungs-Betriebs-Schule) gegangen. Nach dieser Ausbildung wurde ich von einer Unternehmensberatung angestellt. Den Kontakt hatte ich über die Schule erhalten und bin jetzt seit zehn bis zwölf Jahren in der Prozess- und Organisationsentwicklung unterwegs.

Wie bis Du zum Fotografieren gekommen?

MS: Im Alter von sechs Jahren ungefähr hat mir mein Vater eine Kamera von sich gegeben, mit der habe ich einfach ein bisschen herumgeknipst. Dann habe ich eine einfache Spiegelreflex-Kamera geschenkt gekriegt, das war der Einstieg. Ich hab viel fotografiert. In meiner Ausbildungszeit als Bankkaufmann habe ich eine Pause gemacht – und als ich Zivi war, bin ich wieder eingestiegen.  

Fotografierst Du analog oder digital? Hast Du ein Fotolabor?

MS: Digital – und mein Fotolabor ist im PC.  

Wie kommst Du an Deine tiefsinnigen Texte?

MS: Da muss ich kurz drüber nachdenken! – Bei mir ist es manchmal so, dass die Dinge, die mich bewegen, für mich nicht wirklich griffig sind. Dann ist es hilfreich für mich, zu versuchen, bestimmte Sachverhalte in einen Satz (oder in wenige Sätze) zu gießen. Weil ich mir dann leichter damit tue, a) mir eine Meinung zu bilden und b) einfach sagen zu können, okay – das bedeutet es für mich, das ist der Inhalt dessen, was mich gerade beschäftigt. Dabei tut mir diese textliche Zusammenfassung einfach gut.  

Wie kam es dazu, dass Du Fotos und Texte verbindest?

MS: Das kam durch ein Weihnachtsgeschenk, das ich meiner Frau vor drei oder vier Jahren gemacht habe. Ich wollte ihr kein Standard-Geschenk machen. Über Jahre hatte ich Tagebuch geführt mit meinen Texten, ich habe auch jede Menge Bilder, deshalb wollte ich versuchen, die Bilder und Texte zu einem Buch zu kombinieren und ihr das dann zu schenken. So kam diese Kombination zu Stande.

Gibt es noch Ziele, die Du unbedingt erreichen willst?

MS: Oh, ja! (Lacht) So mittelfristig würde ich gerne mehr in den Bereich des Coachings einsteigen, also Leute begleiten in Fragestellungen vor allem aus den wirtschaftlichen Bereichen und im Bereich von Führungskräften, wenn es darum geht, wie möchte ich mein Unternehmen weiter entwickeln oder wie gehe ich mit meinen Mitarbeitern um. Der Hintergrund ist, dass mich die Frage der Werte in der Wirtschaft sehr stark bewegt. Also: Welche Werte gelten in der Wirtschaft?

Ich würde mir wünschen, dass gerade auch christliche Werte in der Wirtschaft wieder mehr an Gewicht gewinnen, weil ich glaube, dass es daran im Moment etwas krankt, und dass wir da einen gewissen Verlust (an Werten) haben. Das wäre so ein Traum von mir: Eines Tages nicht mehr in der IT tätig zu sein, sondern dann als „Business-Coach“ oder einfach als Coach Leute in solchen Fragestellungen zu begleiten. Ich glaube, dass Christen generell, unabhängig von der Person, ein Wahnsinns-Potential haben, was unsere Werte-Grundlagen angeht. Es täte gut, wenn sich die Wirtschaft wieder mehr darauf besinnen würde.

Dann ist noch so ein langfristiges Ziel, wenn ich mal in Rente bin oder auch schon davor, wenn es finanziell klappt, dass ich als Fotograf unterwegs sein kann, Kalender mache und dergleichen. Ein ganz großer Wunsch wäre, ein Buch zu schreiben. Das stelle ich mir sehr spannend vor, einfach so als Autor tätig zu sein. Aber ich habe ehrlich gesagt noch keine Idee, ob ich das könnte, und was es für ein Thema sein sollte.  

Darf man Dein Alter auch verraten?

MS: Ja, ich werde dieses Jahr noch 40.

Was hörst Du gern im Radio oder von CD?

MS: Was ich toll finde, ist U2. Das ist eine Band, die mir sehr liegt. Eher diesen schwereren Rock. So würde ich das jetzt als Laie bezeichnen. Das gefällt mir gut, und ansonsten, was ich auch nicht schlecht finde, sind Hörbücher, wo man sich entspannt zurücklehnen kann, das finde ich toll. Was ich auch noch liebe, zum Leidwesen meiner Frau, ist der Deutschlandfunk. (Lacht) Da gibt es immer wieder für mich interessante Sendungen wie „Wissenschaft aktuell“ und dergleichen, wo über Neuerungen berichtet wird, und das finde ich spannend.

Was siehst Du gern im Fernsehen oder Kino?

MS: Also, was ich heiß und innig liebe, sind Science Fiction Filme, das finde ich ganz klasse. Zum Beispiel  Star Wars und Co fand ich als Kind schon faszinierend. Wovon ich auch nicht verschont geblieben bin, ist die ganze James Bond Manie. Bond finde ich einfach ganz prima. Da gibt´s meist soviel netten technischen Schnickschnack.  

Was isst und trinkst Du gerne?

MS: Meine Frau würde jetzt sagen: Maultaschen. Ich kann mich, glaube ich, ausschließlich von Maultaschen ernähren, in welcher Form auch immer. Ob mit Soße oder ohne, ob geschmälzt, mit Ei oder trocken. Also Maultaschen ist so mein absolutes Lieblingsessen. Und danach kommen relativ schnell Krautwickel.  

Gibt es etwas, das Du überhaupt nicht ausstehen kannst?

MS: Ja, Achtlosigkeit. Also, wenn ich den Eindruck habe, jemand geht mit seinem Gegenüber achtlos um, dann werde ich innerlich nahezu aggressiv. Ich finde, dass jeder Mensch Achtung verdient. Und das ist das, was mich am ehesten auf die Palme bringt, wenn ich den Eindruck habe: Leute missachten andere bewusst oder instrumentalisieren andere Menschen sogar. Da kriege ich die Krätze.  

Spielst Du ein Instrument?

MS: Ich habe mal Gitarre gespielt. Ich spiele das heute immer noch, aber ganz, ganz, ganz wenig und schlecht.

Hast Du noch andere Hobbys?

MS: Ja, also ein großes Hobby von mir ist Klettern. Ich bin kein „geschickter“ Sportler. Das heißt, ich habe so gewisse Bewegungsschwierigkeiten, wenn es um Koordination geht, so dass ich Bälle oder dergleichen meistens vorbei lasse, anstatt sie zu kriegen. Und da ist natürlich so eine Sportart wie Klettern toll, weil du sehr langsam unterwegs bist, sehr konzentriert, weil es da nicht um Schnelligkeit geht. Das ist das, was ich an der Kletterei genieße.

Was auch noch interessant ist beim Klettern: Ab einem gewissen Punkt kommst du immer an deine Grenzen, das heißt, du gehst immer mit deiner Angst um. Denn Runterfallen ist nie angenehm, selbst wenn man davon ausgeht, dass es nichts ausmacht. Aber das Adrenalin, im Sinne von: Kann ich mich jetzt noch konzentrieren? Hab ich mich jetzt noch im Griff oder werde ich jetzt panisch? Und – meistens, wenn der Punkt erreicht ist, wo du panisch wirst, dann fällst du herunter, das finde ich immer ganz spannend – also nicht das Herunterfallen, sondern die Situation davor.  

Frau und Kinder klettern auch?

MS: Nein. Meine Frau hat es mal versucht, da ist das Feuer aber nicht übergesprungen. Meine Tochter hätte das Zeug dazu, aber sie tut sich noch ein bisschen schwer was die Motivation angeht.

Welche Ausstellungen hast Du schon gemacht?

MS: Eine einzige, die war in der Raiffeisenbank in Weissach.

Und wie bist Du an das Stift in Urach gekommen?

MS: Das ging über Pfarrerin Bärbel Hartmann. Es war damals so, dass ich diese Ausstellung in Weissach geplant habe und sie auch soweit angesetzt war, aber dann konnte die Rednerin, die die Vernissage eröffnet hat, an dem geplanten Termin nicht, und dadurch hat sich das Ganze zunächst einmal in nichts aufgelöst. Es war nicht sicher, ob die Veranstaltung überhaupt stattfinden würde.

Damals habe ich gedacht, ich habe jetzt so viele Bilder bei mir zu Hause herumliegen, das wäre doch schade, wenn die nicht zum Einsatz kämen. Ich bin dann auf die Idee gekommen, beim Stift Urach, wo ich auch schon bei Stillen Tagen gewesen war, anzufragen, ob sie nicht auch Ausstellungen machen. Wegen der langen Vorlaufzeit im Stift Urach hieß es zunächst: In diesem Jahr nicht mehr. Dann kam die Weissach-Ausstellung doch noch zu Stande. Danach hatte ich gedacht, jetzt hat es sich erledigt.

Mich hatte es immer interessiert: Wie kommt das bei den Leuten an? Es kann ja sein, man macht etwas, und die Leute sagen: „Was macht der für einen Mist?“ Deshalb war es für mich wichtig bei der Ausstellung in Weissach  zu sehen, wie Menschen darauf reagieren. Macht es überhaupt Sinn, diesen Aufwand zu treiben, oder sagt man eher: Das ist ein nettes Hobby für einen selbst, ein guter Ausgleich, aber mehr auch nicht.

Die Reaktionen (in Weissach) waren aber so, dass positives Feedback kam – und dann bin ich noch einmal auf das Stift Urach zurück gekommen und habe ihnen den Artikel von der Zeitung geschickt. Daraufhin sind wir wieder ins Gespräch gekommen und planten zunächst für 2010. Bei einem Treffen haben wir festgestellt, dass die Ausstellung doch noch dieses Jahr reinpassen würde und eine Kombination mit Zwischentöne toll wäre – und so kam das dann zustande.  

Wie kam Dietmar Wagner an die ganze Geschichte?

MS: Das ist auch Bärbel Hartmann zu verdanken, weil sie dann spontan gesagt hat, da könnte man doch eigentlich eine Kombination machen aus Musik und Fotos mit Texten. Johannes Reinmüller am Stift Urach hat das Ganze dann organisiert und Dietmar mit ins Boot geholt. Die haben dann gemeinsam abgeklärt, ob das mit dem Duo Zwischentöne klappen könnte.

Was möchtest Du den Lesern von „Musik für uns“ sonst noch mitteilen?

MS: Was mich freuen würde, wäre, wenn Menschen über die Betrachtung der Bilder und der Texte für sich neu herausfinden, wie sie mit ihren Augenblicken umgehen. Auf meiner Homepage ist ein Satz, der lautet „Der Augenblick ist der Raum in dem wir leben.  Mehr haben wir nicht.“. Der Mensch ist ein Wesen, das auf den Augenblick angelegt ist. Dummerweise sind wir momentan dabei, immer stärker in der Zukunft zu leben. Das heißt, wir verlieren unseren Lebensraum. Viele Menschen in unserer Gesellschaft sind zunehmend „Getriebene“. Wir nehmen uns zu wenig Zeit, die Gegenwart bewusst zu erleben. Und das hat fatale Folgen, wie man  an der Zunahme von Stress-Symptomen bei Menschen sieht. Unsere Gesellschaft kommt dadurch in ein Ungleichgewicht, das Menschen kaputt machen kann. Deshalb müssen wir neu lernen zur Ruhe zu kommen.

Ich erschließe mir solche „Räume der Ruhe“ z.B. durch die Fotografie. Die Momente, wenn man ein Foto macht: Die Zeit, die man braucht, um das Motiv auf sich wirken zu lassen. Da steige ich aus dieser schnelllebigen Zeit aus und komme an in der Gegenwart.

Es wäre schön, wenn die Bilder dazu beitragen könnten, dass Menschen sagen: Ich suche für mich meine Möglichkeit, wie ich wieder bewusster leben kann. Wie ich mich auch ganz bewusst herausziehe aus manchen Zwängen und manchen Stressfaktoren.  

Vielen Dank für die Auskünfte!

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