Projekt: TEScool – Nürtinger Schüler im Tonstudio (2)
24 Juni 2011 Eingestellt von: Gerhard 316 klicks Keine Kommentare
Fragen an den Projektleiter zur Musikproduktion
Wie läuft eine Aufnahme (Instrumente, Gesang) ab?
Heinrich Baumgartner: In der Regel kommt man her und hat eine Idee, eine Botschaft. Etwas, was die Schüler betrifft, quält, freut – was auch immer. Dann setzt man sich hin. Dann wird das ausgearbeitet. Manche Texte kommen in schon sehr, sehr guter Qualität daher, man kann gleich mit ihnen arbeiten. Manche aber muss man dann wirklich ein bisschen umformen, um die Botschaft ein bisschen raus zu kitzeln, um sie quasi „text-reif“ zu machen. Dann wird gemeinsam eine Melodie dazu geschrieben, falls der Schüler nicht schon eine hat. Und dann tastet man sich langsam voran.
Wie in der Küche: Wenn man da versucht zu kochen, weiß man am Anfang vielleicht nicht mal, was man kocht. Wird es eine feste Speise? Wird es eine flüssige Speise? Wird es was Süßes? – Am Anfang weiß man das nicht, denn es gibt ja kein Rezept-Buch. Wo man sagen kann: Wir gucken mal da rein, rühren das und das zusammen und dann wird es schon passen!
Wir experimentieren hier. Und dann fängt man langsam an zu sehen: Wird’s langsam, wird’s ein schneller Beat oder ein trauriger? Was passt zum jeweiligen Schüler? Man muss sagen, dass die Musik ja auch auf der Person oder den Geist des Schülers hin geschrieben wird. Er muss sie ja auch „verkaufen“, er muss sie verkörpern, er muss doch dahinterstehen. Hinter dem Ganzen, was er schreibt und so. So läuft das in der Regel ab.
Dann wird das alles auch hier produziert – zunächst auf MIDI-Ebene, also quasi digital (hierbei werden nur die Tastaturdaten eines Instruments aufgezeichnet, aber noch keine Audio-Dateien). Und wenn dann alles funktioniert soweit, dann wird alles als Audio aufgenommen. Dann wird das Ganze abgemischt. Der Gesang wird so lange hier live geübt und geprobt und verfeinert, bis man damit in die Kabine gehen kann (wo mit Kopfhörer und Mikrofon die Gesangsaufnahmen stattfinden).
Der Song wird dann auch urheberrechtlich geschützt beim Notar. Und dann kriegen sie ihre Songs in CD-Form in die Hand und können in die große Welt damit. Wobei es nicht das Ziel ist, dieses Projekt als Startsprung zu nützen, damit sie weitermachen können. Hier geht es darum, ihnen seelisch zu helfen, ihr Selbstwertgefühl aufzubauen.
Wie lange dauert es in der Regel, bis ein Song aufgenommen ist?
Wenn man das sauber machen will, ist ein Monat da nichts. Es hängt davon ab, wie viele Schüler wir aktiv dabei haben. Da verbringt man dann schon ziemlich viel Zeit mit ihnen.
Wie viele Schüler können hier gleichzeitig arbeiten?
Das hängt ganz davon ab, wie viele Nerven ich hab, wie viele starke Kaffees ich bekomme. Denn dazu braucht man sehr viel Kaffee, um die alle in den Griff zu kriegen und dabei auch noch ruhig zu bleiben! Heute ist es recht schön – aber wenn Sie hier raus gehen, dann wird das Chaos ausbrechen! (Lacht) Etwas Spaß muss sein!
In der Regel arbeite ich mit vier, fünf oder sechs aktiven Schülern gleichzeitig, die tatsächlich produzieren. Die anderen sind in der Übungsphase. Die kommen her, probieren ihren Song zwei, drei Mal durch. „Lassen wir das oder jenes weg oder so…“ Das ist abhängig davon, wer da ist oder wer auch die „Kreativität des Tages“ mitbringt, um zu arbeiten. Denn man kann nicht sagen: „Jetzt setze ich mich hin und mache mal!“ So funktioniert das hier nicht. Man muss einfach die Muse, die Laune dazu mitbringen. Oft ist es so: Man arbeitet an einem Text, und der ist traurig. Denn als der Schüler ihn geschrieben hat, war er gerade traurig. Man kommt her, will daran arbeiten, ist aber voller guter Laune – dann passt das natürlich nicht. Dann kommt natürlich was völlig anderes dabei raus.
Wenn dann mal drei, vier oder fünf sehr gut drauf sind, dann kann man gar nichts machen. Dann lachen wir die ganze Zeit nur. Aber das gehört eben auch dazu, dass sie alle lachen und so. Das hat auch seine schönen Seiten. Dann gehen wir nach Hause und haben nach vier, fünf Stunden effektiv nichts gemacht – wir haben nur gelacht, ja? Aber wir haben uns alle gut gefühlt! Und das ist auch toll bei dieser Geschichte.
Okay, danke schön!
Interview mit Aylin Aksakalli (Mörikeschule)
Ich heiße Aylin und bin 14 Jahre alt.
Wie hast Du von diesem Tonstudio erfahren?
Der Heinrich (Baumgartner) kam in unsere Klasse und hat uns davon erzählt. Ich war natürlich begeistert und bin gleich hier her gekommen.
Was hast Du bisher hier gemacht / aufgenommen?
Ich habe schon mein erstes Lied fertig geschrieben, das wird dann noch aufgenommen.
An was arbeitest Du im Moment?
Im Moment arbeite ich schon an meinem zweiten Lied.
Spielst Du ein Instrument?
Ich spiele kein Instrument, aber so „just for fun“ mal Klavier oder Gitarre.
Singst oder rapst Du?
Ich singe.
Schreibst Du selbst Texte oder Melodien?
Ich schreibe auch Texte.
Wie findest Du die Möglichkeit, dass Du hier Musik aufnehmen kannst?
Ich finde es super, dass man hier sozusagen einen Traum leben und auch ein bisschen berühmt werden kann.
Bist Du schon einmal irgendwo aufgetreten?
Ich hatte schon drei Auftritte – und die waren klasse!
Wie war das mit dem Auftritt?
Das hat sich zwar komisch angefühlt, aber das war richtig so, als hätte ich meinen Traum gelebt. Und das ist auch ein Teil von meinem Traum, denn Singen ist mein Leben.
Wo würdest Du gerne mal auftreten?
Eigentlich egal. Ich will gerne berühmt werden – und wenn es schon klappen würde, dann auf der ganzen Welt.
Was würdest Du unseren Lesern sonst noch gerne sagen?
An alle, die gerne singen: Hört nicht auf die anderen, lebt einfach euren Traum. Ihr könnt das dann auch besser schaffen. – Glaubt an euch!
Dankeschön!





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