Projekt: TEScool – Nürtinger Schüler im Tonstudio (1)
13 Juni 2011 Eingestellt von: Gerhard 356 klicks Keine Kommentare
Das ist wohl einmalig in unserer Gegend und vielleicht auch darüber hinaus: (Vorrangig) Schüler der Theodor-Eisenlohr-Schule (FS) und der Mörikeschule (GWRS) in Nürtingen haben seit Jahren die Gelegenheit, in einem Tonstudio im Jugendhaus am Bahnhof eigene Songs (Texte und Melodien) zu entwickeln und auf höchstem Niveau aufzunehmen. Wir sprachen mit Jugendbegleiter Heinrich Baumgartner, dem Gründer des außergewöhnlichen Musikprojekts, und ein paar Schülerinnen und Schülern verschiedener Schulen in Nürtingen zu ihren Eindrücken.
Interview mit dem Projektgründer Heinrich Baumgartner
Wie sind Sie dazu gekommen, ein Tonstudio einzurichten?
Dieses Tonstudio haben wir vor zehn Jahren eingerichtet. Ich selber bin Musiker mit Leib und Seele. Ich habe lange Jahre auf der Bühne Musik gemacht und hab mich damit herumgeschlagen. Bis ich dann zu einer Pause gekommen bin. Ich habe dann nach zwei Jahren Pause mit Herrn Nisi (Lehrer an der Theodor-Eisenlohr-Schule) dieses Projekt angefangen und kurz darauf dieses Tonstudio im Jugendhaus am Bahnhof Nürtingen eingerichtet mit meinem privaten Equipment. Ich habe das den Schulen zur Verfügung gestellt, damit man damit arbeiten kann. Die Stadt Nürtingen stellt uns den Raum im Jugendhaus kostenlos zur Verfügung. Im Laufe der Jahre hat uns die Stadt Nürtingen und die Mörikeschule immer wieder notwendiges Equipment finanziert.
Seit wann gibt es dieses Studio schon?
Das Projekt gibt es schon seit gut zehn Jahren. Das Studio seit ungefähr sieben oder acht Jahren, so was in der Richtung.
Wie sind Sie selbst zur Musik gekommen?
Seit ich ein Kleinkind war spiele ich schon Musikinstrumente, inzwischen mehrere. Ich spiele Gitarre, Klavier, Bass und Schlagzeug. Ich bin aber ein besserer Sänger als Instrumentalist. Ich kann zwar spielen, aber der Gesang ist eher meine Stärke.
Welches Equipment gibt es hier?
Oh, hier gibt es natürlich von Keyboard über Synthesizer, von Soundgeneratoren über Klavier, von Kompressoren über Effektgeräte, Equalizer und Interface bis zu hochwertiger Software alles, was man zur Musikproduktion braucht. Das Equipment ist also sehr breit und sehr professionell ausgelegt – alles auf meine Kosten.
Wer darf / kann hier Aufnahmen machen?
Eigentlich jeder, der direkt bei der Mörikeschule oder bei der Theodor-Eisenlohr-Schule als Schüler ist. Jeder andere Schüler muss das vorher mit Herrn Nisi und mit mir abklären, ob er mitmachen darf. Wenn er natürlich Qualitäten hat, oder besser: Wenn er etwas zu sagen hat, wenn er also eine Botschaft hat, dann hat er schon mal 50 Prozent der Miete. Denn ohne Botschaft bringt es hier nichts. Man braucht einfach eine starke Botschaft und die Bereitschaft, mitmachen zu wollen.
Es gibt hier so ne Regel, die kennen sie alle: Wer hier mitmachen will, muss zunächst mal ein halbes Jahr lang auf die Treue zu diesem Studio schwören. Indem er hier her kommt, nichts macht, sondern nur dasitzt und teilnimmt, still und leise. Und damit zeigt: Ich will! – Ich will auch, wenn sich keiner für mich interessiert und keiner mich hier wahrnimmt oder so. Und ich bin immer noch dran interessiert. Denn wenn wir damit anfangen, ein Projekt zu machen und er sagt dann später: „Ich hab keine Lust!“, dann haben wir zwei Monate lang umsonst gearbeitet. Jede Menge Leute haben warten müssen, nur weil er an der Reihe war. Und deshalb muss man vorher zeigen, dass man es wert ist, dass mit einem gearbeitet wird. Da muss man sozusagen so ne Prüfung ablegen.
Wer leitet / begleitet die Schüler bei ihren Aufnahmen?
Das bin zunächst mal ich selber. Genau genommen sind es wir alle, die wir uns leiten und begleiten. Denn jeder hat ne Idee, jeder hat ne Meinung. Und die wird hier in der Summe besprochen. Wenn nun jemand sagt: „He, das gefällt mir überhaupt nicht, das klingt sch…“ – „Warum?“ – „Das klingt so wie dies oder jenes!“, dann lassen wir das. Wir sind hier eigentlich im Kollektiv und arbeiten auch im Kollektiv mit den ganzen Instrumenten und so. Da ist keiner unbeteiligt.
Wann findet das Ganze in der Regel statt?
Das ist immer freitags von 12 bis 17 Uhr. Ältere Schüler, für die die Eltern einen Eltern-Vertrag unterschrieben haben, und den ich wiederum auch telefonisch bestätigt habe, die dürfen auch dienstags und donnerstags abends nach Terminabsprache aufnehmen.
Sind noch Kapazitäten frei?
Nein. (Lacht) Die Kapazitäten sind sehr begrenzt. Ich versuche, das Möglichste zu machen. So viel wie möglich unter Dach und Fach zu bringen. Wenn die Summe der Anwesenden aber darunter leidet, muss ich es einschränken, sonst kommt keiner mehr zum Zug.
Wo kann man sich melden, wenn man Aufnahmen machen möchte?
Bei den beiden genannten Schulen. Die Lehrer dort wissen eigentlich Bescheid. Bei mir kann man sich auch anmelden. Die Schüler dürfen nach telefonischer Absprache mit mir auch immer Besucher mitbringen. Das heißt, jeder darf einen oder zwei Besucher mitbringen – mehr nicht, denn sonst kann es sein, dass jeder fünf Leute mitbringt und hier ist Chaos pur! Und dann kann man nicht arbeiten.
Da gibt es Regeln, an die muss man sich halten. Es gibt „goldene“ Regeln, die nicht aufgeschrieben sind: Keiner darf hier lachen! Schon gar nicht über andere, wenn sie singen oder einen Text zum Besten geben zum Beispiel. Denn keiner ist perfekt und niemand macht immer alles richtig. Alles, was wir hier machen, verlässt den Raum nicht – das bleibt alles hier! Da gibt es eine gewisse Würde-Regel, sage ich mal.
Was würden Sie unseren Lesern sonst noch gerne sagen?
Macht Musik! Hört Musik! (Lacht) Unterstützt die Schüler. Die sind wie eigene Kinder in solchen Sachen, sage ich mal.
Vielen Dank!





Kommentar hinterlassen