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Nürtinger Zeitung: Indikativ hatte die Nase vorn

17 Dezember 2009 Eingestellt von: Gerhard 573 klicks Keine Kommentare

Nürtinger Zeitung am 17.12.2009
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Hinweis: Bei diesem Wettbewerb hat die Band “Starkstrom” aus Neuffen den 2. Platz belegt.

„Avanti Dilettanti“ im Jugendhaus am Bahnhof – Sechs Bands stellten sich vor
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VON SIMONE OECHSLEN

Avanti miniNÜRTINGEN. Harte Gitarrentöne, Elektrosounds, Beats und vieles mehr schallten am vergangenen Samstag aus dem Jugendhaus am Bahnhof. Die „Avanti-Dilettanti“-Jury hatte die Qual der Wahl. Rock ’n’ Roll Asshole, Starkstrom, Nachtschwærmer, Casually, Aporia und Indikativ: sechs Namen, hinter denen sich beachtliches musikalisches Potenzial verbirgt. Zum 19. Mal bot das Jugendhaus am Bahnhof (JaB) jungen Nachwuchsbands die Chance, ihr Können unter Beweis zu stellen und sich mit anderen Gruppen zu messen.

Eingestuft wurden die Leistungen der Bands nach unterschiedlichen Kriterien: Technisches Können, Songideen, Zusammenspiel, Bühnenshow und der Kontakt zum Publikum wurden von den fünf Unparteiischen bewertet. Charly Schwahr, der Leiter des Jugendhauses, profitiert bei der Ausrichtung der Veranstaltung von seiner langjährigen Erfahrung, die ihm bei der Auswahl der Jury, aber auch bei der Bewertung der Bands zugutekommt: „Man bekommt einfach ein Gespür dafür.“ Beeindruckend war die Professionalität und Souveränität, welche die Musiker bei ihren 30 Minuten langen Liveauftritten bewiesen, vor allem in Anbetracht dessen, dass die Bands, wie es auch die Teilnahmebedingungen verlangten, nur geringe Live-Erfahrung hatten und im Durchschnittsalter unter 21 lagen.

Ordentlich vorgelegt wurde von der ersten Band des Abends: Rock ’n’ Roll Asshole aus Neuhausen auf den Fildern. Gemäß ihrem Bandnamen wollen sie sich nicht für das rechtfertigen, was sie tun. „Dabei bin ich gar nicht schlimm, nur weil ich anders bin“, singt Frontmann Joachim Schneider. Sie wollen mit ihren Texten provozieren, aber auch an die Rock-’n’-Roll-Musik der sechziger und siebziger Jahre anknüpfen. Mit modernen Einflüssen des Hardrock versuchen sie ihrem Publikum etwas vom damaligen Lebensgefühl zu vermitteln. Dabei zeigte die Band mit dem Rock ’n’ Roll Reggae, dass sie mehr als nur eine Stilrichtung beherrscht.

Die harten Töne wurden von der zweiten Band des Abends fortgeführt: Bei Starkstrom aus Neuffen war der Name Programm. Ennio Meyer, der Songwriter der Band, schreibt sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch, wobei seine Liedtexte oft auch doppeldeutig angelegt sind: sie beschreiben soziale Beziehungen, sollen aber auch „das Verhältnis zu Gott zum Ausdruck bringen“. „Whenever you call him, whenever you think of him – God’s with you“, singt Frontmann Nico Reger. Die insgesamt fünfköpfige Band machte auf der Bühne einen harmonischen Gesamteindruck und ging sehr gut auf das Publikum ein, was mit großem Applaus belohnt wurde. Gesanglich und musikalisch zeigten sich die 15 bis 19 Jahre alten Musiker, die erst seit drei Jahren zusammen Musik machen, bereits erstaunlich routiniert. Der Spaß, den sie an der Musik haben, war deutlich zu spüren und der kurze Auftritt machte Lust auf mehr. Das fand auch die Jury und kürte Starkstrom zur zweitbesten Gruppe des Abends.

Die Texte sind deutsch – so werden sie von jedem verstanden

Gesellschaftskritisch zeigte sich die Band Nachtschwærmer, die sich vor gerade erst zwei Monaten formiert hat und dadurch die jüngste Band des Abends darstellte. Die vier jungen Musiker „wollen nicht das spielen, was andere hören wollen“, denn es sei an der Zeit für eine absolut neue Art von Musik, so Sänger Patrick Grünberger. Seine zarte und weiche Stimme steht im Kontrast zu den intensiven Klängen der Leadgitarre Max Riegers, der auch immer wieder psychedelische Klänge unter die Musik mischte. Die Band schreibt und singt ihre Texte aus voller Überzeugung in Deutsch. So können sie sich besser ausdrücken und werden auch von jedem verstanden. Nach einem gemächlicheren Anfang steigerten sich im Laufe des Auftritts Tempo und Härte der Musik und standen damit den vorausgehenden Gruppen in nichts nach, wofür sie von der Jury mit dem dritten Platz belohnt wurden.

„Harte Musik mit melodischen Teilen“ lautet die Selbstbeschreibung des Gitarristen Simon G. der Gruppe Casually, deren Mitglieder inzwischen einen Großteil ihrer Freizeit in die Band stecken. Mit sechs Bandmitgliedern waren sie die größte Musikgruppe des Abends, was sich in ihrer enormen Bühnenpräsenz widerspiegelte. Leider konnten sie während ihres Auftritts nur einen Musikstil zeigen.

Mit ihrem Allstyle Rock versuchte die nachfolgende Band Aporia Zuschauer und Jury zu überzeugen. Verena Peichl an der Leadgitarre war die einzige Musikerin des Abends. Die Lieder der Band aus Kirchheim waren weniger hart als die ihrer Vorgänger und richten sich gegen die Abstumpfung der Gesellschaft und sollen dadurch zum Nachdenken anregen.

Mit der letzten Band des Abends kam noch einmal richtig Stimmung auf. Der Bandname Indikativ ist zum einen eine Reminiszenz an den Indierock, verweist zum anderen aber auch auf die Affinität zur deutschen Sprache. Durch anspruchsvolle Wortspiele wollen sie Lieder schreiben, die man auch mehrmals anhören kann, was sie ohne Zweifel an diesem Abend einlösten. Damit begeisterten sie beispielsweise auch die beiden regelmäßigen Jugendhausbesucherinnen Anna und Sally, die auch schon vor dem Auftritt von der Band gehört hatten.

Mit ihren eingängigen Melodien rissen sie die Zuhörer mit, ohne dabei platt zu wirken. „Denn ich steh auf deine Freundin“, sang Frontmann Fabian Durst und nach wenigen Minuten alle gemeinsam mit ihm. Der harmonische Gesamteindruck, die guten Singstimmen und das professionelle Auftreten brachten der Band den verdienten Sieg. Die Gewinner dürfen sich über eine Aufnahme im Tonstudio des Jugendhauses Komma in Esslingen freuen.

Avanti Dilletanti 2009

Die Jungs von Indikativ überzeugten Jury und Publikum. Foto: Oechslen

Zum Original Artikel geht eshier.

Veröffentlichung mit freundlicher Genhemigung durch die Autorin.

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