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LA PALOOZZA – Die neue CD von Under Control

18 Dezember 2010 Eingestellt von: Gerhard 696 klicks Keine Kommentare

- MOVE YOUR ASS AND ROCK THE CHURCH! -

UnderControlFoto2Beim Jump Rock Festival 2010 wurde sie offiziell releast: LA PALOOZZA – die neue Platte von der Band Under Control aus Grafenberg (Raum Stuttgart). Nach ihrer ersten EP „find your way“, die aus vier Songs bestand, haben sie nun ihr erstes volles Album auf den Markt gebracht – mit ganzen 12 ½ Songs. 12 ½? Ja, denn Track Nummer 12 geht ganze 9:05 Minuten lang. Warum der Track so lang ist, können sich die meisten jetzt wohl denken. Offiziell 12 Songs, inoffiziell sind es aber 12 ½ – oder 13 – je nachdem, wie man das gerne nennen möchte.

LA PALOOZZA ist als erstes großes Album (produziert übrigens vom Tin Roof Studio in sehr guter Qualität), wohl ein kleiner Meilenstein in der Geschichte der Band. Man merkt – im Vergleich zur Vorgänger-CD „find your way“ – dass die Band erwachsen geworden ist. Nachdenklichere Texte prägen das Landschaftsbild der Platte. Und auch der Stil ist ein wenig anders – im Großen und Ganzen behält die Band aber durch die einprägsame und gute Stimme von Sänger Jochen Schwaiger ihren Wiedererkennungswert. Insgesamt, das muss man leider auch dazu sagen, hören sich alle Songs – bis auf einen deutschen Song, der ein wenig zwischen den sonst englischsprachigen Liedern heraussticht – ziemlich ähnlich an. Es fehlen ein bisschen die einprägsamen, merkbaren Unterschiede, die zwischen ruhigeren und aggressiveren Songs bestehen, die es sonst auch auf einigen CDs anderer Bands gibt. Das Album ist keine Berg- und Talfahrt, sondern geht eher eine gerade Strecke. Trotz vieler guter und zum Nachdenken anregender Gedanken, kommen viele Lieder von der Melodie und vom Rhythmus her eher als (größtenteils) tanzbare Pop-Rock-Songs daher. Man erkennt diese vielen guten Gedanken erst, wenn man sich die Texte genauer anschaut. Und bei manchen muss man schon etwas mehr nachdenken, um darauf zu kommen, was die Band jetzt sagen möchte. Was vielleicht auch gut so ist.

Einige dieser Songs mit ihrem guten Gedankengut möchte ich euch nun vorstellen, aber euch auch nicht alles unter die Nase reiben. Darum nur zu ein paar Liedern ein paar Anmerkungen:UnderControlFoto1

Das erste Lied „Counting Cows“ startet gleich mit einem lauten „Burned out! Burned out! Burned out!“. Es geht um eine Hoffnung, die sich in eine unglaubliche Angst verwandelt hat. Es geht um verlorene Liebe. Um Sand, der durch die Hände fließt. „And there we stand upon this cold, quiet hill, searching for ourselves and what we could have been”. – Und wir standen auf diesem kalten, stillen Berg – suchten uns selbst und das, was wir hätten sein können. Und wir suchten das, was wir hätten sein können … – Wenn man über diese Textzeilen genauer nachdenkt, kommt man irgendwann an die Stelle, die besagt, dass wir viele Möglichkeiten haben und somit viel sein können bzw. hätten sein können … Aber wir haben nur einen Weg – eine Möglichkeit. Und wir können nur das sein, was wir jetzt sind. Interessante Gedankengänge kommen, wenn man so über diesen Song nachdenkt.

„Heute ist einfach nicht mein Tag…“ – das hat jeder bestimmt schon einmal gesagt – oder zumindest gedacht. Und darum geht’s auch im dritten Song „Forget the day“. Man hört den Wecker nicht, verpasst den Bus … und irgendwann fängt es auch noch an zu regnen. Blöder Tag. Aber an diesem Punkt hört der Inhalt des Lieds nicht auf. Es geht weiter: „Forget the day and start to move; move on. You´re independent, you can do what you like, but don´t give up and start to fight.” – Trotz schlechter Tage müssen wir uns immer wieder bewusst machen, was für Möglichkeiten wir haben und dass wir frei sind. Dass wir nicht aufgeben dürfen. Eigentlich irgendwie klar. Aber auch an dieser Stelle hört der Song nicht auf: „… but please don´t forget so many people in the world start their day so bad, that they just only want to forget…” Es gibt Menschen auf der Welt, die haben noch viel mehr Grund dazu, Angst vor dem Tag zu haben. Gerade deshalb sollten wir uns immer wieder bewusst machen: „Hey, es gibt Menschen, die haben viel mehr Grund dazu, den bevorstehenden Tag zu fürchten – ich vergesse jetzt die schlechten Tage, die ich schon hatte, und fange heute neu an zu kämpfen“.

UnderControlFoto3Im sechsten Song, „Pretender“, geht es darum, dass viele Menschen eine Maske tragen. Einem erzählen, dass der eigene Glaube eine Lüge sei. Und eigentlich tief in ihrem Herzen doch selbst auf der Suche sind nach Sinn in dieser Welt. Dass Menschen, die diese Maske tragen, eigentlich nicht das sind, was sie sein wollen … „This is not what you want to be!“ – „Pretend, that you like your life, but in your heart you know it´s false”. Ein Thema, das schon immer, aber auch vor allem heute, wo wir in Zeiten von ständigem Wandel leben und alles immer irgendwie relativ zu sein scheint, aktuell ist. Wir sind auf der Suche nach etwas, das uns Halt gibt … Was ist also falsch an jemandem, der an jemanden glaubt, der sich nie ändert? (Hebräer 13, 8)

Nach LA PALOOZZA geht’s im siebten Song: Hier geht es um jemanden, der immer vorm Computer sitzt, eigentlich nicht so viel vom richtigen Leben mitzubekommen scheint und gelangweilt ist von dem, was der Priester/Pfarrer ihm sonntagmorgens zu sagen hat. Und die Antwort von Under Control darauf lautet: „Move your ass and rock the church!“ – Eine bessere Antwort hätten die vier Jungs von Under Control nicht geben können.

„We don´t know the reason for this fight“. Eine tiefe Sehnsucht steckt in diesem achten Song. Er sticht ein wenig heraus aus dem ganzen Album – er kommt etwas ruhiger daher als der Rest … Viele Gedanken stecken in diesem Lied: Wir wissen nicht genau den Grund für den Kampf, der auf dieser Erde herrscht. Für all das Leid. Uns wird plötzlich bewusst, wie schnell die Jahre eigentlich vergehen. Und doch schwingt auch sehr viel Hoffnung mit in dem Song „We don´t know the reason for this fight – hang in there! Hold on tight! I want to be satisfied by the effect of his love. I will take my time only for him.”

“Mein ganzes Leben geht dahin und ich erkenn darin keinen Sinn. Ich seh die Tränen meiner Wirklichkeit, um jede einzelne tut es mir leid.“ Ein wunderschönes Lied – einer meiner Favoriten auf der CD. Vor allem eben als deutschsprachiger Song sticht er ein wenig heraus. Es geht von Leid hin zu Hoffnung und dann zu einer unglaublichen Liebe. „Doch du hältst mich und lässt mich nicht los, Vater. Ich berge mich in deinem Schoß… Und du trägst mich und lässt mich nicht los, Vater. Ich berge mich in deinem Schoß […] Ich weiß, du gibst mir wieder Sinn, denn ich leg dir jetzt mein Leben hin.“ Man fühlt, dass das, was den Inhalt des Songs ausmacht, einem durch die Stimme von Yoshi (Sänger Jochen Schwaiger) nochmal richtig ans Herz gelegt wird. Und man merkt, wie es ihm selbst am Herzen liegt, dieses Lied.

Man könnte so noch viel mehr über dieses Album und seinen Inhalt schreiben – aber am besten ist, man kauft sich die CD letztendlich selber und macht sich seine Gedanken dazu … Das Schöne ist ja auch, dass Musik immer neue Denkanstöße geben kann (so sollte es zumindest sein – außer jetzt vielleicht bei Partymucke…).

Under-Control-CD-TitelZusammenfassend lässt sich auf jeden Fall sagen, dass die Band sich sehr viele Gedanken gemacht hat. Dass sie erwachsen geworden ist. Dass „La Paloozza“ eine sehr gut produzierte CD mit schönem Cover ist. Sie lässt sich auf alle Fälle sehr gut anhören. Das einzige Makel ist eben, dass von der Melodie her alles etwas ähnlich klingt. Wie gesagt ist die Platte keine Berg- und Talfahrt, sondern sie geht eher eine gerade Strecke – vielleicht mit zugegeben ein paar kleinen Hügelchen so zwischen durch. Es gibt keine Extreme auf der CD. Aber Under Control haben auf jeden Fall Wiedererkennungswert, Sänger Yoshis Stimme bleibt einzigartig und sie bleiben einfach ihrer Linie treu. Das muss man ihnen lassen.

Alles in allem: Eine gute CD. Wer Pop-Rock mag, sollte sie bei sich zu Hause im CD-Regal stehen haben.

Website: www.undercontrol-band.de
CD-Rezension: Stephanie Klumpp
Fotos: Konstantin Orizaris

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