Interview mit der Band “Killerpilze“ am 28.04.11 im franz.K in Reutlingen – Teil 2
10 Mai 2011 Eingestellt von: Jonas 501 klicks Keine Kommentare

Wie ist eure KommKomm.com Tour bisher gelaufen?
Jo: Hammer! Jedes Konzert war wirklich ein Volltreffer. Wir sind sehr sehr selbstkritisch, was unsere Liveshow angeht, weil wir auch in jedem Interview sagen, dass wir eine der besten Livebands sind, die es gibt. Das wollen wir natürlich jeden Abend auf´s Neue beweisen und ich würde sagen, wir haben es ziemlich oft geschafft. Aber das geht natürlich auch immer nur, wenn die Leute auch Bock haben, die da sind. Da waren jetzt echt so viele geile Menschen auf unseren Konzerten, die einfach mega abgegangen sind und dann macht es halt erst richtig Spaß. Wir genießen das in vollen Zügen, auch, dass wir mit unserer Crew unterwegs sein dürfen. Wir haben auch hammer Wetter.
Mäx: Grillen haben wir organisiert für das Fußballspiel. Toll die Tour, vielseitig.
Wie läuft das mit der Schule und anderen Sachen nebenher?
Jo: Gar nicht. (Alle lachen)
Fabi: Jetzt sind ja zum Beispiel grade Ferien, deshalb sind wir auch jetzt auf Tour. Ansonsten ist halt viel am Wochenende, wobei das in der Anfangszeit strenger war. Mittlerweile passiert auch viel unter der Woche. Und das geht auch, wenn man sich das gut einteilt. Jetzt mit dem Abi ist es natürlich ein bisschen heftiger. Wenn ich jetzt heimkomme, muss ich schon ein bisschen ranklotzen, aber ich glaube das geht auch.
Jo: Wir haben es ja alle geschafft. Mäx studiert jetzt nebenbei Gitarre und Fabi macht sein Abi. Wenn das dann vorbei ist, können wir uns auch volle Kraft auf die Band konzentrieren, was natürlich auch echt ein Luxus ist.
Was machst du, Jo?
Jo: Ich arbeite.
Mäx: …auf dem Bau… (Lachen)
Jo: In einer Musikpromotionagentur.
Interessiert ihr euch für Politik?
Jo: Ja!
Fabi: Also jetzt nicht so übermäßig, aber wir wollen auf jeden Fall wissen, was abgeht.
Jo: …und wir verfolgen schon das aktuelle Tagesgeschehen.
Mäx: In unseren Texten sind ja oft politische Anspielungen drin und was uns halt beschäftigt, zum Beispiel das Thema Stuttgart 21 mit der Polizeigewalt gegen Demonstranten und so was. Das beschäftigt uns natürlich auch irgendwie und wir wollen uns da schon informieren. Wir sind als Jugendliche die Zukunft und man muss wissen um was es geht. Man kann nicht so blind durch die Gegend laufen.
Am 1. Mai ist in Heilbronn ein Naziaufmarsch, macht ihr da was?
Jo: Wir machen viel gegen Nazis, zum Beispiel die Aktion “Kein Bock auf Nazis“ und wir haben da auch schon diverse Songs drüber geschrieben. Jetzt am 1. Mai werden wir wahrscheinlich nichts machen, weil das der Tag nach dem Tourabschluss ist und da wird keiner aus dem Bett kommen. Aber was jetzt nicht als politische Müdigkeit geahndet werden soll (es sei ihnen an dieser Stelle vergeben und für die anderen Projekte gelobt). Wir versuchen natürlich auch unser Zielpublikum darauf aufmerksam zu machen. Wir engagieren uns ja z.B. auch in Äthiopien für Bildung. Es ist also nicht so, dass wir jetzt da völlig blind durch die Welt rennen, aber wir würden uns jetzt, glaube ich, nicht als politische Band bezeichnen.
Welche Charaktereigenschaft von den anderen hättet ihr selbst gerne?
Mäx: Schönheit. (in Richtung Jo) (Ich frage mich währenddessen, was Mäx da eigentlich nebenher raucht)
Jo: Ich würde gerne so gut Logic (Fabi erklärt mir, dass das ein Aufnahmeprogramm ist) bedienen können wie Mäx.
Mäx: Ich wäre gerne so organisiert wie der Fabi. Er ist so organisiert und strukturiert und das fehlt mir ab und zu.
Jo: Ich hätte gern so große Brustmuskeln wie Fabi ohne Training.
Fabi: Und ich hätte gern (Jo bemerkt erst jetzt, dass Mäx die Schönheit von ihm will und bedankt sich)… Bei uns beiden geht es immer nur ums Aussehen. Ich hätte gern den Iro von Jo, den finde ich echt geil. Den kopiere ich vielleicht.
Welches Gerät wählt ihr auf dem Spielplatz?
Jo: Die Wippe.
Mäx: Das aufregendste, wo man am höchsten in der Luft ist. Freefalltower (wird mit Geräuschen bildlich untermalt).
Was beeinflusst euch am meisten, wenn ihr eure Songs schreibt?
Jo: Das, was um uns herum passiert. Viel Autobiographisches fließt in die Songtexte ein, aber manchmal ist es natürlich auch fiktiv. Man muss halt, wenn man Songs schreibt, auch immer Augen und Ohren offen halten. Dann schreibt man hier mal eine Zeile auf und da mal Wort und versucht das dann einfach in einen Song zu verpacken. Ich glaube das ist so das, was uns am meisten beeinflusst.
Welchen Song einer anderen Band findet ihr so genial, dass ihr ihn am liebsten selbst geschrieben hättet?
Jo: “Wie es geht“ von den Ärzten.
Mäx: “Yesterday“ von Beatles, den hätte ich schon gerne geschrieben.
Jo: “Bitter sweet symphony“ von The verve.
Wie oft geht ihr auf Konzerte, auf denen ihr selbst nicht spielt?
Jo: Ich gehe jetzt, dadurch, dass ich in München wohne, öfter als davor. Aber ich bin jetzt nicht so der mega Konzertgänger. Und wenn ich auf Konzerten bin, bin ich einer, der es sich anschaut und nicht wirklich so in der Menge tanzt, obwohl wir das ja live von unseren Fans eigentlich immer erwarten.
Fabi: Langweiler!
Jo: Wir spielen auch oft auf Festivals, wo man dann natürlich versucht, andere Bands mitzunehmen. Das ist natürlich schon geil.
Mäx: Bei unseren Konzerten die Vorbands.
(Managerin Silke schaut herein und fragt, ob alles ok ist und ob die Jungs was bräuchten. Darauf Fabi: Haben nix und brauchen nix.)
CD-Kritik zum Album “Ein bisschen Zeitgeist” von intro.de vom April 2011
Mensch, bist du groß geworden, schießt es einem durch den Kopf, und man widersteht nur mühsam, dem vierten Album der Jungs über den Kopf zu streicheln. Seit nunmehr neun Jahren tingeln die Boys aus Dillingen an der Donau durch die Lande und bahnten sich ihren Weg vom frühpubertären Bravo-Major-Funpunk hin zum eigenen Label und dem nun erscheinenden, komplett in Eigenregie produzierten Album. Ein reifes Früchtchen soll es sein, zweifelsohne, sofern reif heißt: musikalische Langeweile am Stück und das Ganze irgendwo zwischen Punk, Emocore und NuMetal. Auch textlich wurde übelst gereift, und das mit fingerdick Badboy-Attitüde: kotzen, koksen, die Gesellschaft abhassen.
Da können im Hintergrund die Gitarren noch so schön technisch virtuos durch die tighte Produktion schrammeln, die schlimmen Texte von Kaputthauen und Exzess machen die zwölf Tracks zu angestrengt wirkenden Pimmelverlängerungen. Schaurige Höhepunkte erreicht die Angstprosa der drei Lümmel in der Geschichte vom verlorenen Drogenmädchen Marie und dem mit sämtlichen rassistischen Klischees gespickten Morgenland, wo sich ein an einen persischen Perversen zwangsverheiratetes Orient-Girl zwischen Flaschengeistern und Fata Morganen in den Schleier flennt, während es von der Flucht in den Westen träumt. So einen Mist haben uns Tokio Hotel und Echt nie angetan.
In drei Worten: PENISVERLÄNGERUNG / KOTZEN / PUNK
Und das hatten die drei Pilze dazu zu sagen, nachdem Jo es laut vorgelesen hat und alle drei sehr herzhaft gelacht haben:
Mäx: Also wenn man dafür schreibt, ist es echt gut. Es gibt auch echt schlechtere von denen. Es ist nicht schlecht geschrieben.
Fabi: Auf jeden Fall symphatisch.
Jo: Stimmt halt nicht, was er sagt, aber er darf gern mal live vorbeischauen. Ja, Intro fand uns schon immer scheiße. Und, ich mein, lieber schlechte Kritiken als gar keine.
Fabi: Das war jetzt eigentlich das erste Album, für das wir hauptsächlich fast die meiste gute Kritik bekommen haben, da fällt dann sowas schon aus der Reihe. Aber wie gesagt, es ist ja auch geil zu lesen.
Jo: Er hat sich jedenfalls Mühe gegeben. Ich glaube richtig angehört hat er sich das Album nicht, aber selbst wenn. Er soll uns mal auf einem Festival hören. In drei Worten “Penisverlängerung/Kotzen/Punk” klingt auf jeden Fall geil. So könnten wir auch unsere Musik jetzt in Zukunft beschreiben (lachen).
Danke, danke, danke für das super Interview!! Hat echt total Spaß gemacht!
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