Christmas Rock 2011: Songwriter, sphärische Klänge und Herzblut-Rocker auf der Stehlampenbühne
14 Dezember 2011 Eingestellt von: Gerhard 665 klicks Keine Kommentare
Der alljährige Christmas Rock in Neuffen wartet seit ein paar Jahren mit zwei ganz unterschiedlichen Locations auf. Zum einen gibt es da die Rockbühne in der Stadthalle, wo die härtere und lautere Fraktion unter den Bands und Zuschauern auf ihre Kosten kommt. Und dann – etwas kleiner, aber umso feiner – die Stehlampenbühne im benachbarten evangelischen Gemeindehaus.
Da ich mit meiner Videokamera samt Stativ nicht so beweglich war (und außerdem Fan von Unplugged-Konzerten bin), hielt ich mich nur im gemütlich eingerichteten Gemeindehaus auf, wo es neben ein paar bequemen Sofas auch jede Menge Stühle für den größten Teil des Publikums gab.
Den Anfang auf der Stehlampenbühne machten die Neuffener Lokalmatadoren von »Think Twice«, die mit ihrem zu Herzen gehenden Folk-Rock gleich die ersten Fans zu begeistern wussten. Ennio Meyer mit Gesang und Gitarre, Max Mönch mit Stimme und Cajon sowie Adrian Rödig an der Geige und am Keyboard samt Backgrund-Voice überzeugten durch gekonntes Instrumenten-Spiel und zum Teil mehrstimmigem Gesang das wie immer zahlreich erschienene Publikum, so dass es die Menge sehr schade fand, als die drei nach wenigen Liedern schon wieder zusammenpackten.
Sehr gespannt war ich auf das Duo »Sea & Air«, denn der Bühnenaufbau mit Cembalo, Gitarre und allerlei Schlagwerk ließ Ungewöhnliches erahnen. Daniel Benjamin und seine griechische Frau Eleni spielten mit Herz und Verstand jeweils mehrere Instrumente gleichzeitig oder in ein und demselben Song hintereinander – man konnte gar nicht so schnell mit den Blicken folgen, wie die Wechsel vonstattengingen. Ein- und zweistimmiger Gesang vom Bass bis in höchste Tonhöhen, Glockenklang, Percussion, E-Bass, sogar ein Synthesizer als weiteres Tasteninstrument neben dem Cembalo wurde eingesetzt. Es ist schwer, diese Art von Musik zu beschreiben. Ich bitte um etwas Geduld, die Videos, die folgen werden, sagen mehr als 100.000 Worte!
Bodenständige
r ging es dann wieder bei der Singer/Songwriterin Ciera Fisher aus Colorado zu. Mit Gitarre und beeindruckender Gesangsstimme überzeugte sie sowohl solo als auch im Zusammenklang mit zwei Musikern an der zweiten Gitarre und am Cajon. Ihr melancholisch-tiefgehender Folk-Pop soll in absehbarer Zeit auf CD erscheinen und wir freuen uns darauf, die musikalische Kunst der jungen Lady dann auf einem Tonträger mit nach Hause nehmen zu können.
Mit dem Trio »For me and my Sons« aus Walddorfhäßlach hatte Konzert-Organisator Dietmar Wagner den aktuellen EIGENSINNiCH-Bandcontest-Gewinner an Land bzw. auf die Stehlampenbühne gezogen. Die Jungs um Achim Stadelmaier am E-Piano überzeugten vom ersten Ton an mit ihrem feinen Acoustic-Pop und dem Publikum war von Anfang an klar, dass diese drei ihren Preis zu Recht gewonnen haben. Lukas Alter an der Gitarre und mit Gesang und Jan-Pascal Gruhler am Cajon harmonierten musikalisch absolut mit dem Bandleader und es war ein Genuss, den dreien und ihrem gelungenen Vortrag zu lauschen. Ein Highlight bot der Song, zu dem sie die zu Beginn gehörte Sängerin Ciera Fisher auf die Bühne baten. So kam das begeisterte Publikum doch noch zu einer „Zugabe“ der Musikerin aus Colorado, die am Ende ihres eigenen Auftritts lautstark und mit viel Beifall gefordert worden war, aus zeitlichen Gründen jedoch entfallen musste.
Ganz was anderes spielte sich danach auf einer wirkliche winzigen Bühne links vorne vor dem Klavier ab: Der ausgebildete Puppenbauer und –Spieler Matthias Jungermann aus Stuttgart überzeugte mit seinem Mini-Theater »Radieschenfieber«. Übertragen auf die „große Leinwand“ über dem Geschehen, verfolgte der randvoll besetzte Saal gespannt und belustigt die Weihnachtsgeschichte der etwas anderen Art, in der mit viel Humor und Sachverstand die „menschlichen“ Begleiterscheinungen einer Geburt im Stall und den ganzen Begebenheiten drum rum in Szene gesetzt wurde. Wenn ich an den schnaufenden und keuchenden Engel denke, der die weite Strecke vom Hirtenfeld zum Stall von Bethlehem in der Luft zurücklegen musste und dann ermattet auf dem Dach niedersank, muss ich immer noch herzhaft schmunzeln. Aber auch die jungen, vor Freude Salto schlagenden Eltern gehen mir nicht mehr aus dem Sinn. Wer »Radieschenfieber« noch nicht live erlebt hat: Schaut es euch an. So habt ihr die Weihnachtsgeschichte garantiert noch nie gesehen!
Die Stehlampenbühne im Gemeindehaus Neuffen entwickelte sich mit der nächsten Band zu einem Klassentreffen der bisherigen EIGENSINNiCH-Gewinner: Mit der Vierer-Formation »Broken Tree House« aus dem benachbarten Frickenhausen standen die Sieger von 2009 auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Damals noch unter dem Namen „Stubi Live Band“ angetreten, überzeugten sie auch jetzt das Publikum im inzwischen brechend vollen Gemeindehaus-Saal mit ihrem eingängigen Folk-Pop und der die Herzen der Zuschauerinnen zum Schmelzen bringenden Stimme von Sänger Martin Stubenvoll. Selbst eine durch die Erkrankung von Band-Küken Michael erfolgte Umbesetzung brachte die vier nicht aus dem Konzept. Keyboarder Jürgen Rittinger hatte vom Keyboard an den Bass – seine große Leidenschaft – gewechselt, was mit lauten „Jürgen, Jürgen“-Rufen aus den hinteren Reihen belohnt wurde. Für den damit verwaisten Platz am Tasteninstrument hatten sich die Jungs um Schlagzeuger Tobias Stubenvoll kurzerhand den Pianisten Simon Bender von der Stettener Band »Lifetape« ausgeliehen, die am gleichen Abend auf der Rockbühne in der Stadthalle zu Gange war.
Das fröhliche W
echselspiel von „Heute spiele ich mal in einer anderen Band“ nahm seine Fortsetzung, als Sänger Martin zur Mandoline griff und für die Akustik-Gitarre den Klampfen-Virtuosen Lukas Alter (Luke Gibson) von „For me and my Sons“ auf die Bühne rief. Ein kleines Plakat mit den vier Akkorden musste reichen – und „Luke“ spielte den Song mit, als hätte er in seinem ganzen Leben nichts anderes getan. EIGENSINNiCH at it’s best!
Den glanzvollen und lautstarken Abschluss des vollauf gelungenen Stehlampenkonzerts im Rahmen des Neuffener Christmas Rocks gestalteten die drei Waiblinger Jungs von »Ceil«, die dem Beispiel anderer Bands folgten und mit Charlotte Mohns Verstärkung in Form einer Spezialistin für Violine und Glockenspiel samt Gesang mit auf die Bühne brachten. CEiL, eigentlich für Rockiges der etwas härteren Sorte bekannt, brachten auch „unplugged“ den Saal zum Kochen und die weiter hinten Stehenden zum Tanzen.
Knapp sieben Stunden Christmas Rock – der Besuch hat sich wie jedes Jahr gelohnt und man darf schon mal gespannt sein, was am 15.12.2012 im Neuffener Gemeindehaus geboten werden wird.
Text: Gerhard Brenner
Fotos: Stephanie Klumpp
Ein paar Fotos aus den Videos von Gerhard Brenner:





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