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CD-Rezension: Paul Armfield präsentiert sein neues Album »Tennyson« – VÖ: 26.08.2011

25 August 2011 Eingestellt von: Gerhard 264 klicks Keine Kommentare

Tennyson quadratischHistorische Gedichte abwechslungsreich in Szene gesetzt – für Akustik-Fans

CD-Rezension von Gerhard

Es gibt Tonträger, die hört man sich interessiert an und denkt am Schluss: „Hast du einen Titel gehört, hast du alle gehört!“ Da kommt nichts Neues mehr, alles ist vom ersten Stück an vertraut – und Langeweile stellt sich bereits nach kurzer Zeit ein.

Tja, und dann gibt es eben auch CDs, die sind das genaue Gegenteil von dem, was oben erwähnt und bemängelt wurde. Und dazu – zu den positiven, überraschenden und fesselnden Exemplaren – gehört die neue Scheibe von Paul Armfield mit dem schlichten Namen »Tennyson«.

„Wer ist Paul Armfield?“, wird sich der geneigte Leser aus deutschen Landen fragen – und auch ich hatte vorher noch nichts von diesem Künstler gesehen oder gehört. Nun, „Paul Armfield selbst wurde in den British Midlands geboren, lebt aber auf der Isle Of Wight, seit er denken kann. Er war von klein auf musikbesessen, hatte seine erste Band mit zwölf und schrieb seine ersten Songs im zarten Alter von fünfzehn. Er spielte in zahlreichen Bands, ohne sich je auf einen Musikstil festzulegen. Punk und Soul, Scott Walker, David Bowie, Leonard Cohen, Tom Waits, Johnny Cash und Jacques Brel gehörten zum Soundtrack seiner Jugend. All diese Einflüsse kann man heute auf mittlerweile vier Alben hören.“

Und: Paul Armfield ist ein reinrassiger Akustik-Musiker. Keine Elektronik, keine Verfremdung, keine Effekte – Musik pur, so wie sie die verschiedenen Instrumente eben hergeben. Das beginnt gleich mit dem ersten Titel namens „Little Birdie“ (2:46) – ein recht flott gespieltes und gesungenes Werk über einen kleinen Vogel, der einfach wegfliegen will. Und über ein kleines Baby, das auch auf große Reise gehen will. Das passt der lieben Mama aber gar nicht und sie wünscht sich, der Nachwuchs solle „sleep a little longer“. Die angenehme und markante Stimme von Paul Armfield wird unterstützt von einem gezupften Kontrabass und einer flott gestrichenen Fidel, es folgt ein instrumentales Zwischenspiel, am Ende sogar mit „Vogelgezwitscher“.

Paul Armfield 004 - 600Bei „On a Spiteful Letter“ (2:58) gefällt wieder die eindrückliche Gesangsstimme des Künstlers, diesmal begleitet von einer gezupften Gitarre. Der Titel ist ganz ruhig und gemütlich – zum Entspannen, wenn man sich rein auf die Musik konzentriert. Weiter geht es mit „The Splendor Falls“ (2:30), hier sind gleich mehrere Begleitinstrumente zu hören wie Kontrabass, Banjo oder Mandoline. Das Ganze klingt recht traurig und melancholisch. „The Poet’s Song“ (3:41) glänzt mit einem schönen Ah-Chor im Hintergrund. Das Banjo und der gezupfte „walking“ Kontrabass treiben das flotte Lied voran.

Damit kämen wir zu „Maud“ (7:22), das schon durch seine schiere Länge herausragt. Im Gegensatz zum Titel davor geht es hier ganz ruhig und getragen los. Kontrabass und intensive Gesangsstimme, mehr braucht es nicht, um den Hörer zu fesseln. Später wird es flotter, bevor es zum Ende mit gezupftem Banjo wieder gemächlicher ausklingt.

Jetzt wird es Zeit, endlich den Schleier um den Begriff „Tennyson“ zu lüften. Lord Tennyson war „ein  englischer Schriftsteller. Wie Paul Armfield hat der 1885 verstorbene Lord den Großteil seines Lebens auf der Isle Of Wight verbracht. Wie durch Zauberhand erweckt Paul Armfield den ehrwürdigen Lord mithilfe zehn vertonter Texte nun wieder zum Leben.“ – Und wie, muss man da schon sagen. Denn bei „The Charge of the Light Brigade“ (3:56) tönt die anklagende Original-Stimme von Lord Tennyson immer wieder durch. Alt, verrauscht von den antiken Schellack-Platten, erzeugt der alte Lord eine ganz eigenartige Atmosphäre, irgendwie ein wenig gruselig. Es geht um die Anklage einer Brigade von 600 Soldaten, die in einen sinnlosen Krieg und Tod geschickt wurden. Der Gesang von Paul Armfield erlebt im Laufe des Songs eine dramatische Steigerung, erstmals kommt neben dem Kontrabass auch ein Schlagzeug (Becken) zum Einsatz.

Paul_Armfield_2011 - 600„Sweet and low“ (3:01) bietet schon wieder was Neues: Eine Frauenstimme im Gesang nämlich. Nach einer schönen instrumentalen Einleitung von Banjo und Kontrabass singt Mari Persen vom Silbermond und lässt sich gegen Ende auch von Harmonika und Glockenspiel unterstützen. Darauf verzichtet Paul Armfield himself bei „The Sailor Boy“ (1:58) komplett: Der mit Abstand kürzeste Titel der CD wird rein a cappella intoniert. Wenn jemand Gefallen an der einzigartigen Stimme von Paul Armfield gefunden hat – hier hat er sie in Reinform in den Ohren.

Das nächste Extrem folgt auf dem Fuß: „The Voyage“ bringt rekordverdächtige 10:51 Minuten auf die Waage – und glänzt wieder mit Kontrabass und Banjo, erfreut sich eines langen instrumentalen Intros, geht sehr ruhig und getragen voran und wechselt zwischen mehreren Instrumenten einschließlich Percussion und reiner Banjo-Begleitung. Den goldenen Schluss bildet „Crossing the Bar“ (3:59) mit der berühmten „Singenden Säge“ am Ende – einfach nur schön!

Paul Armfield hat es geschafft, alte Gedichte, die schon mehr als 100 Jahre auf dem Buckel haben, in zeitgemäßen akustischen Sound zu verpacken und so dem Hörer schmackhaft zu machen. Wer Akustik liebt, kommt an dieser CD nicht vorbei. Ab 26. August ist sie zu haben.

Artist:                   Paul Armfield
Titel:                     Tennyson
Label:                  Artfulsounds
Format:               CD Digipack / LP / Download
Vertrieb:             Cargo
:                       26.08.2011

Paul Armfield 003 - 600Tracks:
1. Little Birdie
2. On a Spiteful Letter
3. The Splendour Falls
4. The Poet’s Song
5. Maud
6. The Charge of the Light Brigade
7. Sweet and Low
8. The Sailor Boy
9. The Voyage
10. Crossing the Bar

Wer Paul Armfiel live erleben will, kann das hier tun:

21.09.11, KAMMERSPIELE, Ansbach, Support von JACKIE LEVEN
22.09.11, HOT JAZZ CLUB, Münster, Support von JACKIE LEVEN
23.09.11, ZECHE CARL, Essen, Support von JACKIE LEVEN

03.11.11, FALKENDOM, Bielefeld
05.11.11, HANSA 48, Kiel
07.11.11, DREIKÖNIGSKIRCHE, Dresden
08.11.11, NEUES SCHAUSPIEL, Leipzig
09.11.11, GASOMETER, Zwickau
10.11.11, BLUE NOTE, Magdeburg
11.11.11, PUPPENTHEATER, Gera
12.11.11, KESSELHAUS, Singwitz

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