Backstage Blogreihe: Der Autor deiner eigenen Geschichte
1 Januar 2011 Eingestellt von: Jonas 460 klicks Keine Kommentare

Foto: Stephi / Omi-Open 2010
Es gibt ein paar “Über-Nacht-berühmt”- Geschichten, die ich wirklich mag. Das Lustige daran ist aber vor allem, dass, wenn man sie sich aus der Nähe ansieht, keine von ihnen wirklich „über Nacht“ passiert ist. Erfolg war schon immer das Produkt der harten Arbeit, die all dem vorangegangen ist. Es gibt ja auch die Redewendung: „Glück ist das, was passiert, wenn Vorbereitung und Möglichkeit aufeinandertreffen“, also behalte das im Hinterkopf, wenn du das nächste Mal von einer „Von-0-auf-180“- Berühmtheit hörst.
Diesen Sommer habe ich eine Geschichte gehört, die zu einer meiner liebsten „Über-Nacht-berühmt“-Sagen gehört.
Paper Tongues:
Die Band hat sich 2007 in Charlotte, North Carolina, zusammen gefunden, als ein paar Musiker mit sehr unterschiedlichen musikalischen Hintergründen beschlossen haben eine Band zu starten. Nachdem sie eine Weile miteinander gespielt hatten, begannen sie an ihrem Debüt Album zu arbeiten. Der Paper Tongues Sänger, Aswan North, lief eines Tages dem weltberühmten Produzenten Randy Jackson über den Weg als er gerade in einem Restaurant war und beschloss ihm seine Musik unter die Nase zu halten. Scheinbar gab er ihm ein Stück Papier mit der Myspace Adresse der Paper Tongues darauf und sagte irgendwas wie etwa: „Das wird dir gefallen“. Tja, und offenbar hat es das, denn diese Begegnung führte dazu, dass Randy der Manager der Band wurde.
Was für eine tolle Geschichte – wie mutig von dem Kerl, dass er den Moment genutzt hat. Ich liebe das. Außerdem bin ich sehr eifersüchtig auf diese Geschichte, denn das ist nun mal genau die Art von Story, die jede Band erzählen können möchte. Und genau das ist ein großer Fehler! Denn wozu macht dich das? Es bringt dich dazu nach Wundern Ausschau zu halten, bevor du dich hinsetzt und noch härter an der Erreichung deiner Ziele arbeitest und zu einem aktiven Teil dessen wirst, dass etwas passiert. So habe ich es jedenfalls erlebt: Bei jedem Gig, den ich gespielt habe, setzte ich nachher meinen suchenden „Ist hier irgendwer, der mich unter Vertrag nehmen will?“-Blick auf. In Restaurants hoffte ich darauf, jemandem über den Weg zu laufen, dem ich meine Myspace Adresse geben konnte und ich habe ein Mobiltelefon gekauft, meine Nummer eingespeichert und es einem berühmten Künstler in die Hand gedrückt, den ich auf der Straße in Nashville sah (ich habe mal davon gehört, dass das jemand anderer vor mir getan hat, also dachte ich: „Das versuch ich auch“.) Die Wahrheit ist, dass es für mich nicht so ausgegangen ist, wie es für andere funktioniert haben mag und ich war enttäuscht. Ich habe viel Zeit damit verbracht Wege zu finden, wie ich so eine Geschichte auch für mich Wirklichkeit werden lassen könnte, statt mich darauf zu fokussieren hart an mir und meinem Produkt zu arbeiten und die Geschichte ihre eigenen Wege laufen zu lassen.
Aber ich hatte Glück, denn während der ganzen Zeit, in der ich versucht habe ein Wunder zu reproduzieren von dem ich gehört hatte, vollzog sich schon mein eigenes kleines Wunder, ohne, dass ich davon eine Ahnung hatte.
Es ist der 3. August, wir sind in Nashville und sitzen rund um dem Frühstückstisch im Haus von Freunden. Wie jeden Tag checke ich die E-Mails der Band und unsere Myspace Nachrichten und finde dabei eine bestimmte Nachricht mit dem Betreff „Nachricht von Sylvia Massy (Produzentin)“. Ich öffne sie und lese: „Unglaubliche Vocals und Drums, Jungs! Wie sehen eure Pläne für euer nächstes Album aus? Würde euch total gern produzieren, also lasst mich wissen wie es aussieht, könnte euch vollkommen in meinen Zeitplan einbauen! Sylvia.“
Jetzt kommt der Teil, von dem ich wünschte er wäre nicht wahr. Sobald man seine Zehenspitzen in die ernsthafte Musikszene eintaucht entwickelt man eine ganz bestimmte, arrogante Geisteshaltung: Man misstraut jedem und stempelt jeden, der einem etwas anbietet als Selbstdarsteller ab. Also schließe ich, in meiner unendlichen Dummheit, die Nachricht und denke nicht weiter darüber nach. Irgendwann untertags erzähle ich den Jungs davon und sage irgendetwas wie: „Das ist sicher irgendein Mädel mit einem kleinen Heimstudio, das unsere Musik mag“. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass wir schon eine Reihe lächerlicher „Produktionsangebote“ in der Vergangenheit hatten, also dachte ich, dass das einfach noch ein weiteres solches ist.
Am Abend, einfach weil ich gelangweilt war, habe ich beschlossen den Namen zu googlen und als ich herausfand wen ich googelte, konnte ich meinen Augen nicht trauen. Ich wollte meinen Kopf nehmen und ihn gegen die Klobrille schlagen.
Okay, um eine peinliche Geschichte kurz zu halten – ich habe herausgefunden, dass Sylvia Produzentin ist, die schon mehrfache Platin Alben hervorgebracht hat und mit Künstlern wie den Red Hot Chili Peppers, Prince, REM, Johnny Cash, Deftones, System of a Down, Tool, Tom Petty und vielen anderen gearbeitet hat. Und was mich am meisten beeindruckt hat – sie hat mir Rick Rubin – DEM Produzenten Guru zusammengearbeitet. Also, nachdem ich mir in die Hosen gesch***en habe, schrieb ich zurück so schnell ich konnte. Offenbar hatte sie von uns über eine Freundin in Seattle gehört – von jemandem, den wir auch nicht kennen, was sich so spooky anfühlt. Scheinbar – so haben wir später erfahren – hat Christy ein Review über unser neues Album online gelesen als sie A&R für Sylvia machte. Viel harte Arbeit hat unser Review überhaupt erst nach Seattle gebracht, denn wir hatten über einen Zeitraum von zwei Jahren eine Liste von über 700 Blogs erstellt, die wir dann alle anschrieben als unser Album herauskam. Der Blog auf den Christy gestoßen war, ist einer von dieser Liste.
Also das ist der Deal, die großartige Sylvia Massy möchte unser nächstes Album produzieren und ich fühle mich verlegen, aufgeregt, nervös und geehrt.
Und ich bin daran erinnert, dass große Dinge passieren, aber – wie das Sprichwort schon sagt: „Glück ist das, was passiert, wenn Vorbereitung und Möglichkeit aufeinandertreffen“.
Darum: Lass deine eigene Geschichte passieren und versuche nicht, die von jemand anderem zu kopieren.





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