Backstage Blogreihe: 10 Tipps für deinen professionellen Live Sound
13 Oktober 2010 Eingestellt von: Jonas 314 klicks Keine Kommentare
Als Band machen wir uns viele Gedanken darüber, wie unsere Performance noch professioneller werden kann, wie man sich selbst als Musiker besser präsentiert. Der Haken an der Sache ist der: oft genug landet man in einem Lokal mit schrottigem Sound, und man steht vor einem bildlichen Fragezeichen. Und selbst wenn man den Gig-Jackpot knackt und in einer Location mit gutem PA System und guter Mikrofonierung spielt, wird man vielleicht das Pech haben einen Techniker zu haben, der entweder nicht motiviert oder unkonzentriert ist. Ich kann es nicht ausstehen mich auf Menschen verlassen zu müssen, die sich nicht wirklich dafür interessieren was ich tue und darum mag ich es, so weit wie möglich alle Dinge die ich steuern kann auch selbst in die Hand zu nehmen. Außerdem fällt mir auf, dass je professioneller wir klingen, desto mehr Aufmerksamkeit bekommen wir vom Publikum, gleich von Beginn weg.
Aus dem Grund haben wir mit ein paar einfachen Tricks eine Basis dafür geschaffen, dass wir als Band einen guten Sound haben – ganz egal wo wir spielen. Mir ist klar, dass nicht all diese Tipps für dich und deine Band adäquat sein werden, aber vielleicht hilft dir das eine oder andere einen guten Schritt weiter.
1) Bau ein Stimmgerät in dein Live Setup ein. Es ist wirklich die leichteste Sache der Welt; ich kann auch nicht wirklich verstehen, warum einige Musiker das nicht machen. Verwende dazu kein tragbares Stimmgerät, das du zwischen allen Songs immer anstecken musst… verwende einen Bodentreter, hänge ihn in deinen Loop und schon bist du flexibel und kannst jederzeit während deiner Show stimmen. Es ist so katastrophal, wenn ein Instrument nicht gestimmt ist und selbst bei den besten von uns versagt das Stimmen nach Gehör manchmal, besonders dann, wenn man versucht gleichzeitig eine perfekte Show zu liefern. Vor einiger Zeit habe ich Chuck Berry performen gesehen und er hatte kein Stimmgerät zur Hand… es war fürchterlich!
2) Findet einen guten Opener Song. Wenn ihr nicht der Headliner des Abends seid und die Leute eure Musik noch nicht kennen, solltet ihr besonders mit dem ersten Lied punkten. Es muss ein Song sein, der dein Statement rüberbringt: „Hallo, da bin ich, hört mir zu“. Er sollte den Zweck erfüllen die Aufmerksamkeit der Leute einzusammeln und sie von der Bar zur Bühne locken, weil ihr in ihnen das Interesse an dem weckt, was jetzt kommt. Wenn ihr also beginnt, müsst ihr etwas Interessantes bieten, egal ob das ein mitreißender Loop, ein interessantes Pad, ein gutes Riff oder irgendetwas anderes vollkommen Unerwartetes ist. Der erste und der letzte Song bleiben den Leuten in der Regel am stärksten in Erinnerung.
3) Ja, du hast es schon erraten… Findet ein gutes Schlusslied. Es ist eine Tatsache, dass der letzte Geschmack, den man nach einem Essen in seinem Mund hat darüber entscheidet, ob es einem geschmeckt hat, oder nicht. Dasselbe gilt für Musik. Hört mit einem starken Song auf, der den Leuten Hunger auf Nachschlag macht. Das letzte Lied wird ihnen im Gedächtnis bleiben und zu einem großen Teil darüber entscheiden, ob ihnen euer Set gefallen hat.
4) Probt Überleitungen zwischen den Liedern. Ich steh‘ total darauf, wenn eine Band an irgendeiner Stelle im Set Songs ineinander übergehen lässt und so einen Bogen spannt, der mehr hergibt als ein… „Danke, und der nächste Song heißt…“. Es ist leicht umzusetzen und wirkt gleich um einiges professioneller.
5) Für den Schlagzeuger: Organisiere dir Pads für deine Becken. Cympads zum Beispiel – das sind kleine Filzpads, die unter deine Becken kommen. Du bekommst sie in verschiedenen Größen, passend zu deinen Becken. Sie haben zwei Vorteile. Zum einen erzeugen sie oft einen besseren Sound bei billigeren Becken, weil sie ungewollte Obertöne reduzieren, einen sanfteren Nachklang erzeugen und die Artikulierung des Blechs verbessern. Zweitens helfen sie dabei die Lautstärke zu regulieren, was in kleineren Locations hilfreich ist, weil dort das Scheppern der Becken manchmal alles andere ertränkt. Wir haben diese Pads schon mehrfach als super-hilfreich empfunden und sie werden von einigen Firmen angeboten, such dir deins aus.
6) Für den Gitarristen: Besorg’ dir einen kleineren Amp. Oft genug sieht man Gitarristen, die in einem kleinen Lokal mit 4×12″ Boxen und einem 100 Watt Amp ankommen. Die Wahrheit ist aber, dass sie zu viel Power und viel zu viel Lärm auf der Bühne erzeugen. Versteh mich nicht falsch – ich liebe kräftigen Gitarrensound – ich bin Gitarrist und liebe es zu rocken! Es ist nur ganz einfach so, dass auf einer kleinen Bühne dein 4×12″ viel zu groß aussehen und dein 100 Watt Amp definitiv zu laut und unpraktisch sein wird. Das ist so, als ob du dir als Single einen 15-Sitz-Bus zulegst. Klar kann man das machen und es werden sich bestimmt auch Situationen ergeben, wo das ganz praktisch ist, aber es ist nicht wirklich das, was du einen Großteil der Zeit brauchst. Ein kleinerer Amp mit einer 12″ Cab und 30 Watt wird für die meisten Locations ausreichen und gibt dir einen netten, natürlichen Crunch – was braucht man mehr?
7) Bringt einen Mikrofon-Koffer mit. Eine Sache, die ich vom Touren gelernt habe ist, dass es zwar meistens ein Mischpult mit genügend Kanälen, aber oft nicht genug Mikros gibt. Oder halt echt schlechte. Was wir uns also angewöhnt haben ist, unseren eigenen Koffer mit Schlagzeug-Mikros zu bringen, die man im Falle des Falles auch für Amps verwenden kann. In unserem Fall sind’s ein Bassdrum Mic und eine handvoll SM57er. Schmeiß noch ein paar Kabeln in den Koffer – sicher ist sicher. Das hat wirklich schon kleine Wunder für uns gewirkt.
8) Für Gitarristen und Bassisten: Verwende Bodentreter für die Verzerrung. Ein paar Jahre lang bin ich ohne meinen eigenen Amp getourt, weil es schlichtweg zu teuer war ihn auf Flüge mitzunehmen. Ich hab’s einfach mit jedem Amp aufgenommen, der dann in dem Lokal verfügbar war. Damals habe ich begonnen mit Stomp Box Verzerrern zu arbeiten, weil das deutlich einfacher ist, als jedesmal so lange am Amp zu drehen bis man den Sound bekommt, den man möchte. Ich weiß, dass das viele Gitarristen trotzdem tun, aber wenn du genau hinsiehst, wirst du in vielen von ihren Gesichtern ablesen können, dass sie frustrierte Troubadoure sind, die an Knöpfen herumdrehen, um irgendein halbwegs vernünftiges Soundsetting zu finden.
9) Für Sänger: Verwende einen In-Ear Monitor. Wenn du, wie ich, Sänger bist, wirst du es bestimmt hassen, dass du manchmal in Locations bist, wo es kein Monitoring gibt. Klar könntest du jedesmal einen Wedge mitbringen, aber sehr praktisch ist das nicht. Da die meisten Lokale ein Mischpult haben – egal wie klein– und fast jede Konsole über einen Aux- oder Monitor-Output verfügt, sollte es wirklich ein Leichtes sein, dein In-Ear damit zu verbinden, sodass du dir selbst wenigstens ein Vocal Signal senden kannst, um sicherzustellen, dass du dich selbst hörst. Für mich hat sich das als große Hilfe entpuppt und ich verwende es auch bei kleinen Gigs – einfach deshalb, weil es mir die Sicherheit gibt mich selbst zu hören, egal was sonst so rundherum passiert. Bei großen Gigs ist es sowieso praktisch, weil ich mich frei auf der Bühne bewegen kann ohne jemals die Zone zu verlassen in der ich hören kann, was ich tue.
10) Und noch ein Sängertip: Verwende eine Vocal-FX Stomp Box. Es gibt eine ganze Reihe davon und sie sind sehr hilfreich: Du kannst Delays, Kompressoren und Halleffekte damit programmieren, die zu deiner Musik und Stimme passen und kannst dein Mikro auch direkt daran anstecken und so ein fertiges Signal an die Technik schicken. Das ist besonders hilfreich, wenn der Techniker deine Musik nicht kennt, denn sonst wird er entweder auf eigene Faust einen Sound suchen, den er für passend hält oder es wird ihm überhaupt gleichgültig sein. Wenn du die Kontrolle über deine Vocaleffects hast, wirst du deinen Sound bei jedem Gig behalten. Hol dir einen Techniker, der dir hilft die Sounds mit dir einzustellen, wenn du selbst nicht so das Händchen dafür hast. Wähle ein paar verschiedene Sounds für unterschiedliche Songs und deine Performance wird schon einen deutlich besseren Eindruck machen.
[stextbox id="alert" color="000000" ccolor="ffffff" bcolor="696969" bgcolor="ffffff" cbgcolor="ffffff" image="null"]Website: www.myspace.com/mygloriousmusic
Text: Samuel Fischer
Foto: myspace.com/mygloriousmusic[/stextbox]





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