»Rock in the Ruins« in Forchtenberg am 24.07.2010
4 August 2010 Eingestellt von: Gerhard 381 klicks Keine Kommentare
Während am Freitag noch ziemlich tristes Wetter war und der Regen selbst noch in der Nacht anhielt, machten sich die Veranstalter schon Sorgen, ob das Open Air Konzert buchstäblich ins Wasser fallen würde, doch ab circa 14 Uhr kam dann doch die Sonne raus und hielt den ganzen Tag über. Sogar der matschige Boden wurde so fest, dass man keine Angst haben musste, am Ende des Tages von oben bis unten braun und schlammverschmiert zu sein.
Obwohl etwa eine halbe Stunde vor Einlass noch ein ziemliches Chaos auf dem Festivalgelände herrschte und verwirrt herumstehende Mitarbeiter eingewiesen wurden, was sie denn wo machen müssen, lief am eigentlichen Konzertabend alles wie am Schnürchen und es fielen, zumindest mir, keine größeren Pannen auf.
So fing die Band Minority, die wie alle anderen Bands an diesem Abend auch von Patrick Reusch, dem Ex-Sänger von Crushead, der die Moderation übernahm, angekündigt wurde, an, die Bühne zu rocken. Als Gewinner des Hohenloher Bandcontestes hat sich diese Band schon lange vor dem eigentlichen Auftritt bewiesen und den Platz auf dem Line Up des Rock in the Ruins Festivals hart erkämpft. Dementsprechend professionell stand die junge Band auf der Bühne und hat mit ihrem Punk-Rock einen guten Start hingelegt und das Festival und auch das Publikum auf einen großartigen Abend eingestimmt.
Nachdem Minority ihr letztes Lied gespielt hatten, ging es nach einer kurzen Umbauphase mit einer hochkarätigen Band weiter. Freequency sind für ihre Gute-Laune-Lieder bekannt und auch bei Rock in the Ruins haben sie gezeigt, dass ihre Musik mit guter Laune geleichgesetzt werden kann und dass das Zuhören einfach Spaß macht. Außerdem hat nach Jos Aussage (Sänger) nach gefühlten 1.000 Konzerten endlich mal wieder ein Junge den »Wer-am-höchsten-springt-gewinnt-ein-T-Shirt-Wettbewerb« gewonnen. Dieser durfte sich nach dem Auftritt ein T-Shirt und eine CD von Freequency abholen. Außerdem werde ich den Ausdruck auf den Gesichtern des Publikums so schnell nicht mehr vergessen, als Jo meinte, dass er Lehrer sei. Ich frag mich immer noch, warum alle so geschockt geschaut haben. =)
Freequency ist und bleibt einfach eine Band, an der man nichts findet, was man aussetzen könnte. Das liegt zum einem sicher an den qualitativ guten Liedern der Band, zum anderen aber auch an der Ausstrahlung, die offen und ehrlich ist. Freequency muss man einfach ins Herz schließen.
Dass sich das Rock in the Ruins Team in Sachen Line Up nichts nehmen ließ und von vorne bis hinten gute Bands auf die Bühne stellte, zeigte sich auch an der folgenden Band, die sich innerhalb von einem Jahr vom Newcomer zum inoffiziellen Nachfolger Crusheads mauserte. Sacrety sind der Erfolgsgarant für jedes Festival geworden und haben sich die wahrscheinlich größte Fanbase im Süden Deutschlands erspielt. Auch bei Rock in the Ruins zeigten die fünf Jungs wieder, was sie drauf haben und präsentierten als kleinen Leckerbissen ihr neues Lied „Wastebin“ das hoffentlich bald neben „Alive“ auf einem neuen Album erscheinen wird.
Man sah den Bandmitgliedern sichtlich an, dass sie ihren Spaß hatten, und das, obwohl es draußen eigentlich noch viel zu hell für einen Auftritt von Sacrety war. Fabi (Sänger) stieg dann auch einfach mal von der Bühne und machte vom Publikum Fotos, während Chris (Keys) sich das Mikro schnappte und mit Matze (Gitarrist und Back Vocals) „I want it that way“ von den Backstreet Boys coverte.
Das Publikum machte auch gut mit und so wurde bei dem Auftritt von Sacrety gepogt und geheadbangt. Eigentlich ein ganz normaler Auftritt der Band aus Oberndorf, der jedes Mal aufs Neue Spaß macht und etwas Besonderes ist.
Weiter ging es mit Good Weather Forecast. Diese haben an dem Abend ihr neues Album „Love Radiator“ releast und das mit sichtlichem Erfolg. Die Ska-Band macht mit ihren Reggae- und Party-Ska-Liedern einfach gute Laune, und wenn man einmal auf einem Konzert von der Band war, weiß man, warum sie als die deutschen Make Up Your Mind‘ler bekannt sind. So kann man bei dieser Band einfach nicht still stehen, und als sie das Lied „Ein Kompliment“ von den Sportfreunden Stiller gecovert haben, hat das ganze Publikum mitgesungen.
Auch die Lieder des neuen Albums laden zum Mitsingen ein und zaubern dem einen oder anderen ein Grinsen auf das Gesicht. Da kann man dann auch mal mit einem netten Lächeln darüber hinweggehen, dass Sänger Flo erst mal überlegen musste, dass er grade in Forchtenberg spielt. Ansonsten war der Auftritt von GWF wirklich gut und hat Spaß gemacht und man ist doch immer wieder überrascht, dass so gute Musik rauskommt und es nicht im Chaos endet, wenn acht Leute auf einmal auf der Bühne stehen. Übrigens stand mit Good Weather Forecast das einzige Mädel des ganzen Abends auf der Bühne.
Der vorletzte Act war wahrscheinlich auch der ruhigste des Abends. Claas P. Jambor spielte dieses Mal mit seiner Band und zeigte, dass man auch im Singer/Songwriter-Stil die Leute zum Tanzen bekommt. Neben den Liedern von seinem neuen Album „Paradise Lane“ spielte Claas auch gute alte Lieder wie „Samuel“ oder „Jesus in me“, bei denen dann auch das ganze Publikum mitsang. Auch kam erst bei Claas die Lichtshow richtig zur Geltung, da es erst ab dieser Uhrzeit richtig dunkel war. Neben den Liedern erzählte Claas auch immer wieder kleine Anekdoten zu seinen Liedern und stellte auch kurz sein Projekt T.R.U.T.H. vor, bei dem es darum geht, einfach mal 14 Tage in allem die Wahrheit zu sagen. Außerdem holte er kurzerhand Patrick Reusch auf die Bühne, damit dieser bei einem Song mitsingen konnte.
Obwohl ich eigentlich mit der Musik von Claas P. Jambor nicht ganz so viel anfangen kann, fand ich doch, dass an diesem Abend, mal ausgenommen von Family Force 5, an die an diesem Abend eh keiner rangekommen ist, Claas den besten Auftritt hingelegt hat. Er hat mit seiner Musik einfach alle mitgerissen und man hat deutlich gemerkt, wie viel Spaß er an der Musik und auf der Bühne hatte.
Das absolute Highlight an diesem Abend war allerdings nicht Claas P. Jambor oder irgendeine der anderen vorherigen Bands, sondern ganz eindeutig Family Force 5. Ich kannte die Band vor dem Abend noch nicht und dachte mir, dass ich mich einfach mal überraschen lasse. Ich wurde, wie glaube ich so viele, umgehauen von der Ausstrahlung der Band.
Die fünf Jungs aus Atlanta haben von Anfang an die Ruine zum Beben gebracht, und das lag sicherlich nicht nur an der Lautstärke der Musik. Man kann eigentlich gar nicht beschreiben, wie die Family Force 5 auf der Bühne abgegangen sind. Während den Liedern, bei denen man nicht still stehen konnte, ob man wollte oder nicht, wurden dann von den Musikern auch noch verschiedenste Faxen auf der Bühne angestellt, um das Publikum noch mehr aufzulockern. So wurde die Gitarre mal über dem Kopf gehalten und so gespielt oder sie wurde als Gewehr verwendet, um die Leute abzuschießen. Außerdem sind die Musiker auf der Bühne rumgehüpft und keiner ist stillgestanden. Dabei wurden die Lieder gespielt, ohne dass ein einziger Ton danebenging.
Irgendwann hat sich der Sänger dann auch noch große Hulk-Handschuhe-Hände angezogen und ist damit auf der Bühne gestanden. Das beste Zitat vom Sänger war auch eindeutig „I love that castle thing“. Die fünf Jungs waren, glaube ich, sichtlich erstaunt, dass Deutschland so feiern kann, aber bei der Musik kann man gar nicht anders.
Man muss diese Band unbedingt mal gesehen haben, um nachzuvollziehen, wie unglaublich ein Auftritt von den fünf Musikern ist. Da kommen keine CD und kein Video dagegen an. Ich hoffe wirklich, dass sich ein Veranstalter findet, der die Band nochmal nach Deutschland holt. Denn so ein Auftritt sollte einfach kein Einzelfall bleiben. Nach diesem Abend bin ich eindeutig Family Force 5 Fan geworden.
Auch auf der Talkbühne, die immer in den Pausen besetzt wurde, haben die Jungs einen guten Eindruck gemacht und spontan einen Geburtstagsmix für einen Zuschauer gebeatboxt.
Auf der Talkbühne wurden die Künstler von u.a. Heidi Frank von Sound7.de zu ihrer Musik und ihrem Glauben interviewt. So konnte man neben der Musik nochmal einen kleinen Einblick in das Leben der jeweiligen Band bekommen.
Auch die Verpflegung war wieder super. Man konnte im Gewölbekeller etwas gegen seinen Hunger kaufen und dank der Leinwand hat man noch nicht einmal verpasst, was auf der Bühne los war. Auch konnte man sich natürlich bei den Ständen der Bands mit CDs und T-Shirts eindecken und sich auch hie und da ein Autogramm holen.
Insgesamt muss ich sagen, dass die Veranstalter von Rock in the Ruins sehr gute Arbeit geleistet und vor allem mit ihrem Line Up geglänzt haben. Das Ambiente der Ruine und die super Organisation des Teams haben dafür gesorgt, dass der Abend zu einem Ereignis wurde, das man gerne wieder besucht. Hoffentlich das nächste Mal ohne ein Jahr Pause dazwischen.
Text und Fotos: Verena Bächle





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