»Lifetape«: Rockig. Laut. Leise. Deutsch. Und mit Message.
2 Juli 2011 Eingestellt von: Stephi 458 klicks Keine Kommentare
Rockig. Laut. Leise. Deutsch. Und mit Message.
Die neue CD der Band Lifetape „Noch nichts vorbei“
Von Stephanie Klumpp
Rockig. Laut. Leise. Deutsch. Und mit Message. – das sind Lifetape. Und das ist auch ihre neue CD „Noch nichts vorbei.“ Vielleicht fragt ihr euch jetzt, warum „Laut. Leise.“? Weil sie beides sind: Manchmal laut und manchmal leise. Das Interessante an der neuen Platte der Band ist nämlich unter anderem, dass sie – wenn man das Intro ignoriert, das ja eigentlich auch zum ersten Song gehört – sechs Tracks hat – und diese sechs Tracks lassen sich in drei laute und drei ruhige Lieder einteilen.
Und auch gleich mit dem Titelsong der EP, „Noch nichts vorbei“, haut die Band am Anfang voll rein. Der Ohrwurmcharakter hoch 10. Das Lied schlägt sofort ein. Und auch das „Wo-o-o“ trägt natürlich seinen Beitrag dazu bei. Interessanterweise – und wahrscheinlich auch eher unabsichtlich – taucht das „Wo-o-o“ als Mitsingpart auch im vierten Song „Sie bleibt“ wieder auf. Wer da nicht mittanzt und mitsingt – dem kann man auch nicht mehr weiter helfen. Super Song(s).
Aber auch inhaltlich hat dieses erste Lied viel zu bieten. Es geht um einen Neubeginn. Es ist noch nichts vorbei. Denn der Song fängt auch gleich an mit „Ich schein still zu stehen – nichts geht voran.“ – Lustigerweise stand ich da gerade auch mit dem Auto im Stau, als das Lied kam. Und tatsächlich: Nicht nur in diesem Auto-Stau staut es sich – sondern manchmal auch in meinem – oder deinem – Leben. Und dann muss vielleicht auch mal ein Neubeginn her. Aber wie kann der geschehen? Von mehr „Tiefe und Klarheit“ wird gesungen – Tiefe und Klarheit – und wie bekommt man die wiederum? „Langsam dran gewöhnt, dass alles festgefahren ist. Hab mir viel zu lange zugesehen. Nehme mir jetzt Zeit und schau auf dich – lass das was zu viel ist hier zurück. Stelle mich dem Neubeginn.“ Mehr Tiefe und Klarheit dadurch, dass man Sachen zurücklässt. Wie will man schließlich klar sehen und in die Tiefe gehen können, wenn so viele andere Dinge einem die Sicht versperren? Ausräumen und neu beginnen. Aber nicht alleine – „und schau auf dich“. Gott ist hier gemeint, der dann auch gerne mal mit einem ein bisschen ausmistet und für diese Klarheit und Tiefe sorgt.
Insgesamt zieht sich interessanterweise dieses Thema von Neubeginn, Zurücklassen und Tiefe auch wie ein roter Faden durch das Album. Denn nicht nur das erste Lied handelt davon. Auch im zweiten Lied – das zu den eher ruhigeren gehört – heißt es: „Was mich lähmt, das schmeiß ich raus.“ In diesem Song schwingt ein tiefes Vertrauen auf Gott mit. Sehr faszinierend. „Ich geh immer weiter, immer weiter. Auf jeden ersten Schritt folgt auch ein zweiter.“ Erinnert vom Text her auch sehr an ein anderes Lied von Lifetape – „Immer weiter“ genannt – in dem heißt es: „Mit dir geht es immer weiter.“ Schöne Parallele.
Schön ist auch die Textzeile „Denn wenn Licht auf Schatten trifft, verliert der Schatten sein Gesicht“, die an einen Song der amerikanischen Band Switchfoot erinnert – bei denen heißt es „the shadow proves the sunshine“. – Der Schatten beweist, dass der Sonnenschein da ist. Faszinierend, wie diese Licht-Schatten-Bilder immer wieder auftauchen. Und in ihnen steckt auch eine unglaublich tiefe Wahrheit.
„Das Blatt liegt leer vor mir – die Worte schwer im Magen“ – so beginnt das dritte Lied der CD. Gehört auch wieder in die eher ruhigere Kategorie. Es kann etwas dauern, bis man sich mit diesem Lied angefreundet hat. Nicht, weil es schlecht ist oder musikalisch irgendwie hakt – sondern weil der Text dann doch sehr schwer(mütig) ist. Sehr tiefgreifend. Melancholisch. Man merkt dem Lied eine Lebenserfahrung an, die innerlich sehr viel bewegt haben muss. Es geht um eine enttäuschte Liebe – und trotzdem geht die Liebe nicht weg. Sie verändert sich nur – bleibt aber trotzdem bestehen.
Der nächste Song „Sie bleibt“ ist nach „Noch nichts vorbei“ definitiv der zweite Ohrwurm der Platte. „Eben war sie glücklich und jetzt wieder unten. Mit einem Blick auf ihn bergab in wenigen Sekunden. – Wo-o-o. Wo-o-o.“ Es geht um eine verzweifelte Liebe, eine verzweifelte Beziehung. Und trotzdem bleibt die Hoffnung: „Wie verzweifelt sie rennt, in falsche Richtungen rennt – Hoffnung bleibt. Ihn zu vergessen versucht, das Leben verflucht. Sie bleibt.“ Erinnert mich auch sehr an die eine Stelle aus dem Film „Der Herr der Ringe“ in der der Zauberer Gandalf im Hinblick auf den verzweifelten Kampf gegen das Böse sagt: „Hoffnung gibt es immer.“ Und damit hat er Recht. Egal wie aussichtslos eine Situation auch sein mag… Es gibt, Gott sei Dank, immer jemanden, der das letzte Wort hat. Und dem kann man vertrauen.
Starker Song auf jeden Fall. Und der hat auch eine interessante Parallele zum Song davor. Die Liebe geht nicht weg. Und die Hoffnung bleibt auch.
Und schon folgt der nächste und letzte laute Kracher der CD. „Sag wohin sind die Tage“ hat etwas Dramatisches. Man lässt sich sofort anstecken. Der Song wühlt auf. „Wohin sind die Tage … die Leichtigkeit … die Kindheitsjahre voller Zufriedenheit?“ Und auch hier wieder unübersehbar: Die Sehnsucht nach Leichtigkeit. Die Sehnsucht danach, wieder Kind zu sein. Ja, kenne ich nur zu gut.
„Man sagt, auf jeden Regen folgt letztlich Sonnenschein. Doch manchmal ist die Hoffnung darauf zu fern und klein. Und es fällt schwer zu glauben, dass das hier anders wird…“ Tiefgehender Song. Macht einen sehr nachdenklich. „Ich will dass du mich mitnimmst […] ich will dass du mich findest […]“. Es geht darum, dass etwas Wichtiges verloren gegangen ist. Man auf dem Weg ist, aber irgendwie auf diesem Weg stehen geblieben ist. Die Sehnsucht nach jemandem – ob da in diesem Fall Gott oder andere Menschen /ein gewisser Mensch gemeint ist, lässt sich nicht eindeutig sagen – ist da. Die Sehnsucht nach jemandem, der einen findet, mitnimmt. Und einem etwas wieder zurück gibt, was verloren gegangen zu sein scheint… Am Ende gibt es dann auch nochmal Gänsehaut-Feeling pur, wenn sich das dann auch erfüllt und der Song sich nochmal steigert… „…wenn du mir jetzt versprichst, dass du für immer bleiben kannst…“
Und so wird die CD auch super abgerundet. Insgesamt also auf jeden Fall eine sehr gute Platte. Wer Deutsch-Pop-Rock mit Tiefgang mag, sollte sie auf jeden Fall im CD-Regal stehen haben. Oder auch wer die Band „Echtzeit“ mag. Sie erinnern nämlich von der Art der Texte manchmal sehr an die – weil einfach unglaublich viel Tiefgang drin steckt. Lifetape sind aber alles andere als eine Kopie davon. Sie haben ihren eigenen Stil. Einfach super Songs. Ehrliche Texte. Und eine super Aufnahme-Qualität. Absoluter Hörgenuss. Was will man mehr?
Fotos: Jon Pride Photography (Bandfoto); Stephanie Klumpp
Website: www.lifetape.de





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