Home » Künstler A-M, News

»Kellerkind«: Originelle Sprachbilder und trotzdem emotional und nicht zwanghaft verkopft

14 Dezember 2011 Eingestellt von: Gerhard 219 klicks Keine Kommentare

„Kellerkind“ nennt sich Gitarrist und Sänger Sid auf seinem Solodebüt, einem außergewöhnlichen, in Deutsch und Englisch gesungenen Singer/Songwriter-Album. Nicht ohne Gründe: Erstens, weil die 14 Songs überwiegend eine nachdenkliche oder melancholische Stimmung verbreiten. Und zweitens, weil alles den Charme einer spontanen, nächtlichen Aufnahmesession verbreitet – ein ungefiltertes, minimalistisches Pop-Schatzkästchen ohne überflüssiges Beiwerk.

“Und mein Equipment steht eben im Keller”, so Sid augenzwinkernd zum Entstehungsprozess. Auch wenn die ursprünglich geplante Machart “Akustikgitarre, Gesang und sonst nichts” dann doch nicht ganz konsequent durchgezogen wurde. “Ich habe mich irgendwann bei den Demo-Aufnahmen gefragt: Warum sollte ich mich künstlich kastrieren? Es geht ja nicht darum, ob da zwei, drei oder fünf Instrumente gleichzeitig spielen oder ob alle Sounds original aus den 70ern stammen. Was mir wichtig ist, ist eine Atmosphäre zu schaffen und alles, was ich sagen will, so ungefiltert wie möglich rüberzubringen. Wenn ein Song ein Schlagzeug benötigt, dann soll er das bekommen – wenn‘s ein Drum-Loop ist, auch gut.” Auch später, im Studio, wurde viel ausprobiert, und wenn es sich richtig angefühlt hat – warum nicht einfach gleich übernehmen? Gut war, dass mit Chai Deveraux (Jesus on Extasy) jemand hinter dem Mischpult saß, der sich auf so eine Arbeitsweise einlassen konnte – und der gleichzeitig selbst viele kreative Ideen hatte, die dem Endprodukt eine ganz besondere Note verleihen.

Genau wie zahlreiche Gastauftritte von musikalischen Weggefährten, wie Drummer Mike (The Pussybats), Meli (Livid Halcyon) oder Stinky the Kid (Stinky Pete & the rabid babies): Auch auf einem persönlichen Album macht sich ein wenig Abwechslung gut. Besonders deutlich wird das beim Country-lastigen „Mrs. Melancholie“, das als Duett mit der Autorin und Allround-Künstlerin Fee Katrin Kanzler “tausendmal cooler ist, als wenn ich nur selbst vor mich hin singe”, wie Sid zugibt.

Wann ist man eigentlich reif für ein Soloalbum? “Keine Ahnung, vielleicht kommt so was knapp bevor man 30 wird. Ich hatte neben meinen Bands immer schon einiges an Songmaterial geschrieben, das nirgendwo richtig reingepasst hat, deshalb geisterte mir die Idee schon länger im Hinterkopf herum. Aber konkret wurde es erst, als ich letzte Weihnachten meine Gitarre nahm, mich hinsetzte und beinahe alle Songs in knapp zwei Wochen runterschrieb. So ganz nebenbei auch die ersten Sachen, die ich auf Deutsch gemacht habe.” Ganz automatisch zwingt einen die Muttersprache auch zu einem kreativen Umgang mit Wörtern – denn was auf Englisch so furchtbar authentisch ‘rüberkommt, klingt im deutschen einfach nur schrecklich platt. Jenseits aller Herz/Schmerz-Reime gelingt ihm das Kunststück, originelle Sprachbilder zu verwenden und trotzdem – oder gerade deswegen? – emotional und nicht zwanghaft „verkopft” zu schreiben.

Dass es funktioniert, zeigt das Bonusmaterial: Jeder Käufer des Albums erhält einen exklusiven Zugang zu einem kompletten Live-Gig auf Video. Dieses Mal tatsächlich nur mit Gitarre und Stimme „bewaffnet”, beweist Sid dass die Songs auch im ganz reduzierten Kontext ihre Wirkung entfalten.

Einfach einmal das machen, was sich richtig anfühlt – das wurde zum Kern der Produktion. Weil: Vielleicht ist es ja besser wenn man Musik mit mehr Herz als Verstand macht. Vielleicht ist es ehrlicher, wenn man sich nicht hinter nachgeplapperten Rock’n’Roll-Phrasen versteckt, sondern zu dem steht, was man wirklich sagen will. Vielleicht sind gute Songs alles, was zählt, und weniger ist manchmal mehr. Aber vielleicht, nur vielleicht, sollte man einfach das machen, was man wirklich will.

“Kellerkind ist mir eine echte Herzensangelegenheit. Hier stecke ich drin, ganz tief und es ist eigentlich erst einmal nur für mich gemacht. Für alle anderen gilt: Love it or leave it”.

Quelle: Kellerkind

Info:

Kellerkind – Kellerkind

7music/NMD
EAN 4260158171373
Bestellnummer 7M-042-2
produced by Chai Deveraux&Sid
VÖ: 3. Februar 2012

    1. meins
    2. helden
    3. zwischen den stühlen
    4. mittendrin
    5. ordinary dreams
    6. su
    7. und dann
    8. silence is the enemy
    9. zeit:raum
    10. interessiert mich nicht
    11. das selbe lied
    12. i want u
    13. mrs melancholie (mit fee katrin kanzler)

Website: daskellerkind.net

 

Das könnte Dich auch noch interessieren:

Schlagworte: , , , , , , ,

Kommentar hinterlassen

Kommentar hier hinterlassen, Trackback auf deiner Seite einfügen oder Kommentare als RSS abonnieren.