»Emergenza Acoustic« in Stuttgart: „A bissle was fürs Herz“
8 Dezember 2011 Eingestellt von: Gerhard 487 klicks Keine Kommentare
150 Zuschauer, 150 Stimmen, aber natürlich kann nur einer gewinnen. Der Emergenza Acoustic Contest beehrte am Samstag, den 03. Dezember 2011 den KellerKlub in Stuttgart. Sechs Bands präsentierten ihre Songs innerhalb von 20 Minuten in Akustik. Eine Herausforderung für alle, die sonst mit verzerrten Gitarren kleine Spielfehler kaschieren, aber natürlich auch eine Chance, um zu beweisen, dass eine Band nicht nur die Masse, sondern auch ihre Instrumente beherrschen sollte.
Um sicher zu gehen, dass das Publikum nicht nur für den schönsten Männerkörper oder den mitleiderregendsten Hundeblick abstimmt, beteiligte sich diesmal noch eine unabhängige Jury am Contest. Darunter der Moderator des Abends, Matthias Mehwald, unser Redaktionschef Gerhard Brenner und der Tontechniker (dessen Namen ich leider vergessen habe).
Den Anfang machte die Band »Goodbye Emma«. Mit ihrem Mix aus Indie-Rock und herzzerreißenden Balladen (O-Ton Sänger: „A bissle was fürs Herz“), haben die vier Jungs nicht nur den sicheren Umgang mit ihren Instrumenten bewiesen, sondern auch für mächtig Stimmung gesorgt. Als zweites spielten zwei liebenswerte junge Damen, auch bekannt unter dem Namen Misou. Eine, wie ich finde, wundervolle Kombination. Ihre Musik erinnert ein bisschen an Balladen von Kate Nash und stimmlich konnte die kleine Mai mit der „großen“ Kate eins a mithalten. Die fast schon andächtige Stimmung im Publikum wurde mit Seifenblasen unterstützt und als kleines „Schmankerl“ spielte ein Freund der Band auf einem „Hang“. Nein, ich rede nicht von einer Skipiste. Hang ist ein Musikinstrument und kommt aus der Schweiz. Sieht aus wie ein Wok, kann allerdings nicht kochen, klingt dafür umso besser.
Le groupe numéro trois waren »Angelo und Band«. Der junge Mann und seine zwei Bandmitglieder haben so einiges drauf. Die drei spielen nach eigener Angabe erst seit einer Woche zusammen (JAJAJAJAJAJA), klingen aber schon recht professionell. Mit tiefgründigen Texten beweisen sie, dass die deutsche Sprache musikalisch top ist und es nicht immer englisch sein muss. Außerdem, wer eine Liebeshymne an einen Kopfkrauler schreiben kann, der kann ja nur genial sein. Lieber Angelo, danke für diesen Song. Ich wusste bisher nie, wie ich meine Gefühle für dieses Kopfmassagegerät in Worte fassen sollte. Vielleicht wird der Song ja mal als Werbejingle benutzt, wer weiß.
Weg von der perfekten Kopfmassage, hin zu der perfekten Combo aus Gold, Stein und Silber, auch als »Gold, Stone and Silver« bekannt. Die drei Herren sind ja nun doch schon ein bisschen älter und somit wirkt ihre Musik sehr bodenständig. Mit einem Cello, zwei Gitarren, E-Violine etc. zeigten sie, was waschechte Männer nach der Generation Hühnerbrust so zu bieten haben. Nämlich ganz viel Herz und Charme. Ihre Musik erinnert ein bisschen an die Band Mumford and Sons und ihre kurzen Geschichten über die eigenen Songs haben gezeigt, dass sich hier wer Gedanken gemacht hat. Alles also goldrichtig ausgewählt.
Die vorletzte Band war »Rausch und Engel«. Diese behaupten ja, dass sie den Namen schon länger haben, aber meiner Meinung nach ist das eine abgekartete Marketingstrategie, so kurz vor Weihnachten. Naja, selbst wenn, dann ist es eine gute. Mit deutschen Texten haben die Herren gezeigt, dass auch sie akustisch rocken können. Mein persönliches Highlight war der Song „Papierliebe“. Ein Song über die Liebe zu einem Star. Allerdings hängt der nur in Papierform im eigenen Zimmer. Aber zum Glück gibt es ja das Kopf-Kino, nicht wahr?
Die letzte Band war an diesem Abend nur zu zweit, da Influenza das dritte Mitglied lahm gelegt hatte. Hat dem Auftritt aber nicht geschadet und so hat die Band aus Heidelberg, die sich einfach mal nach dem englischen Wort Wohnzimmer (»living room«) benannt hat, mit schnellem Gitarrenspiel und gekonnten Trommelschlag so manch steifen Konzertgast doch noch zu einem Hüftschwung bewegt.
War also alles super. Gewonnen haben im Übrigen die Herren aus Gold, Stein und Silber. Mit 63 Stimmen aus dem Publikum und den Punkten der Jury haben sie alle anderen links liegen lassen und machen jetzt teuer Urlaub auf Hawaii mit Cocktails, Schirmchen und Cello. Finde ich gut. Ganz nebenbei dürfen sie auch noch auf der Musikmesse in Frankfurt spielen. Und weil sie das nicht gerne alleine machen, gab es noch einen zweiten Platz und den hat Werbe-Jingle-Gott Angelo und seine Band bekommen. Ich wünsche viel Spaß auf der Messe und hoffe auf weitere tolle Auftritte der Bands.
Wie heißt es so schön: es gibt keine Verlierer, sondern nur Gewinner.
Text: Andrea Tontsch
Fotos: Franziska Schneider
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