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»Dui Pfeifel« im Club Live in Wendlingen

11 Februar 2010 299 klicks Keine Kommentare Drucken Seite mailen

KonzertberichtVon Gerhard

War der kleine Saal im Live Club Wendlingen schon bei der Vorband »Notstand« voll gewesen, so drängelten sich die 200 Besucher zum Start vom Haupt-Act Dui Pfeifel jetzt von der Bühne bis nach hinten zum Eingang – einige hielten sich auch im Foyer auf und hörten sich den Gig an der Theke an.

Die Bühne wird abgedunkelt, dann erklingen Trommelschläge im Doppelpack, die an überlaute Herzschläge erinnern. Die Spannung im Publikum steigt. Hintergrundmusik erklingt und die Bandmitglieder tanzen herein und auf die Bühne – wie immer fein gemacht in schicken schwarzen Anzügen samt Krawatten. Mit wiegenden und tanzenden Schritten findet jeder seinen Platz und sein Instrument auf der Bühne. Moment mal – jeder? Ich zähle nur sieben Bandmitglieder! Ist da heimlich einer ausgestiegen und niemand hat etwas davon verraten?

Nein, Entwarnung! Die Hintergrundmusik „I’m so excited“ setzt schlagartig aus, genauso schnell setzt die Band ein – und Trompeter Fabian Präger hält ein Mikrofon in der Hand und schiebt sich singend von hinten durch die ganze Menschenmenge bis zu seinem Platz auf der Bühne. Jetzt sind die acht Spaßbuben versammelt – und sie gehen ab wie einst im Mai!

Und es ist schon etwas Besonderes, wenn gleich acht Mann auf der Bühne abgehen. Die Augen des Betrachters fliegen hin und her, man ist bemüht, alles aufzunehmen und mitzukriegen, was auf den Brettern, die die Welt bedeuten, so passiert – aber Pustekuchen, so schnell kann man gar nicht gucken, wie die Jungs da hüpfen, springen, tanzen und singen…

Zwei Schlagzeuge, gekonnt bedient von Jan Block und Kanada-Heimkehrer Tilman Ziegler, überwiegend deutsche Texte mit großem Unterhaltungswert, Alexander Flick an der Posaune, Fabian Präger an der Trompete, sein Bruder Steffen am Saxophon, Andreas Vogel am Keyboard und die obligatorischen Gitarren von Felix Knapp und ein paar anderen samt dem Bass von Thomas Pluschys – Musikerherz, was willst du mehr? Kein Wunder, dass der Applaus des Publikums von Song zu Song stärker und immer heftiger wurde.

„Dich wünsch ich mir her“ heißt der zweite Song des Abends und jeder im Publikum bezieht das natürlich – zu Recht – auf sich selbst, denn was wäre eine Live-Band ohne ihre Zuschauer? Nach fast einem Dreivierteljahr Pause geht im Live Club der Pfeifel-Punk ab, als wären sie und vor allem Drummer Tilman nie weg gewesen. Vor allem der eben erwähnte Schlagzeuger aus Erkenbrechtsweiler auf der Schwäbischen Alb haut in die Pauken, als gäbe es kein Morgen. Man merkt, wie sehr er seine Jungs und das gemeinsame Musizieren in den letzten Monaten vermisst hat. Doch darauf werden wir in einem Extra-Interview-Beitrag näher eingehen.

Als wäre die Action auf der Bühne noch nicht genug, werfen die Dui Pfeifel Jungs noch einige Softbälle ins Publikum, die fortan wild in der ganzen „Bude“ nur so herumfliegen. Einer trifft eine Flasche genau vor meinen handschriftlichen Aufzeichnungen. Zum Glück ist sie leer gewesen und so gibt es außer einem Schrecken für mich keinen nennenswerten Schaden – aber mit dem vorliegenden Bericht wäre es ums Haar aus und vorbei gewesen! Selbst der Mann am Mischpult kämpft gegen die heran fliegende Gefahr, die ihm nicht nur einmal die Beleuchtung von der Konsole hämmert.

Was auch noch auffällt bei Dui Pfeifel, sind die stetigen Wechsel an den Instrumenten bzw. beim Gesang. So trommelt beim nächsten Lied Tilman Ziegler allein weiter, während sich Jan Block seine Gitarre schnappt und singt. Schön anzusehen ist auch, wenn die Bandmitglieder zusammen auf der Bühne hüpfen. Auch die abwechslungsreichen Blech- und Holzbläsersätze (Saxophon) in den Breaks gefallen sehr gut. Und so will der Jubel am Ende dieses Songs kein Ende nehmen.

Ist diese Gaudi überhaupt noch zu toppen? Ich kann nur sagen: Bei Dui Pfeifel live ist nichts unmöglich! Ein heftiges Schlagzeug-Solo zu Beginn des nächsten Titels, dann Gitarren, Bass  und Bläser, und ab geht die Post auf und unterhalb der Bühne. „Tanzt“ heißt das Stück sinnigerweise – und das Publikum lässt sich nicht zwei Mal bitten. Die Leute legen sich ins Zeug, als ob hier ein Tanzwettbewerb veranstaltet würde. Dann kommen noch Ansagen im Lied wie „Hüpfen!“, „Springen!“, „Pogen!“, „Im Kreis drehen!“ – und es ist klar und offensichtlich, dass der Spaß, den die Musiker beim Vorführen der Übungen haben und verbreiten, im Publikum ankommt und wie ein Echo von der wogenden Menge auf die Bühne zurück geworfen wird.

Nach diesem wilden Toben und Wogen geht es im nächsten Song „No Rats“ wieder etwas ruhiger zu. Die Ballade gehört zu den wenigen englischsprachigen Songs von Dui Pfeifel und gefällt durch ihre abwechslungsreiche Instrumentierung. Und schon folgt die nächste Überraschung: Bei „Eisbär Knut“ tritt tatsächlich ein Bandmitglied im Eisbärenkostüm auf, tanzt und singt sich in die Herzen des Publikums und wagt es sogar, mit einem kleinen Schlauchboot auf den erhobenen Händen der Zuschauer zu surfen. Fast hätte ich ein tolles Foto im Kasten gehabt, aber kurz bevor ich abdrücken konnte, stürzte der arme Knut samt Bötchen ab – zum Glück ist meines Wissens nichts Schlimmes passiert. Eisbären gehören halt in ihr Gehege und nicht auf die wackeligen Hände von Konzertbesuchern! :-) Das hält ihn aber nicht davon ab, gekonnt und voll Inbrunst weiter zu singen. Zum Dank wird er auf der Bühne mit reichlich Flüssigkeit „gefüttert“. Ein gelungenes Posaunen-Solo rundet die „tierische“ Performance ab.

Sänger und Schlagzeuger Jan Block testet vor dem nächsten Lied erstmal die Schwäbisch-Kenntnisse des Publikums. Dann bittet er eine Tänzerin auf die Bühne, die gekonnt und mit viel Rhythmus im Blut zu den erst verhaltenen und dann immer schneller und heftiger werdenden Klängen von Keyboard, Posaune und Gesang ihre Hüften schwingt. Das hoch geschätzte Publikum lässt es sich nicht nehmen, aus vollem Halse mitzusingen.

Dramatisch geht es zu beim Song von der „Wüste“: Gitarre und Trompete am Anfang – wie schaurig schöne Filmmusik kommt mir das vor. Dann spielen die drei Bläser zur Gitarre, Schlagzeug und Bass gesellen sich dazu, am Ende sind wieder alle Acht in ihr musikalisches Tun vertieft. Das Publikum klatscht bei der rein instrumentalen Bridge, die Musiker geben alles, bewegen sich im Takt, glänzen sogar mit einer Rap-Einlage.

Auf die Frage „Könnt ihr noch?“ kommt ein solches zustimmendes Gejohle im Publikum auf, dass an ein Ende der Veranstaltung noch lange nicht zu denken ist. Und so folgt ein niveauvoller Song über das „Niveau“. Laut, schnell, treibend, wieder von zwei Drumsets unterstützt, die Zuschauer tanzen und pogen, dass es eine wahre Freude ist. Wechselndes Tempo bringt weder auf der Bühne noch unterhalb die Akteure aus der Bahn.

Was ich so noch bei keiner anderen Band erlebt habe, ist: Die Musiker auf der Bühne applaudieren den Zuschauern, weil sie so toll mitmachen – klasse Idee! Lied folgt auf Lied und nach fast zwei Stunden ist der ganze grandiose „Spuk“ auch schon wieder vorbei.

Bleibt noch zu erwähnen: Dui Pfeifel ist allemal eine (auch weite) Reise wert! Man kann es nicht beschreiben, was die Jungs auf die Bühne zaubern, man muss es einfach selbst erleben!

Zum Fotoalbum des Events geht es HIER.

Gerhard

Website: www.duipfeifel.de
MySpace: www.myspace.com/duipfeifelskunk
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