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»Brass in the Ruins« in Forchtenberg am 23.07.2010

4 August 2010 Eingestellt von: Gerhard 226 klicks Keine Kommentare

bir3Nachdem der Regen dem Brass in the Ruins Team einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, wurden etwa 300 Stühle in den Gewölbekeller der Forchtenberger Ruine getragen, damit das Open Air-Konzert zu einem Open Air-Konzert mit Dach wird. Somit und auch durch einen gnädigen Petrus, der in den Pausen einfach mal den Regen abgestellt hat, durften die Besucher von Brass in the Ruins einen trockenen Abend voller Blechblasmusik genießen.

Nachdem die Öhringer Turmbläser den Abend musikalisch eingestimmt hatten und mit zwei Fanfaren den Anfang verkündeten, durfte der Chor „Blech for Fun“ den Anfang machen. Ungefähr 40 Bläser und Bläserinnen hatten sich extra für Brass in the Ruins zusammengefunden und Stücke aus bekannten Bläserpartituren gespielt. Unter der Leitung von Hans-Ullrich Nonnenmann wurden fetzige und interessante Stücke gespielt, die vielleicht nicht den hohen Anspruch der anderen Bläsergruppen erreichten, dafür aber ihrer Linie treu blieben und den Zuhörern den Spaß vermittelten, die die Gruppe am Spielen hatte.

bir6Nach einer kurzen Pause hat, meiner Meinung nach, das Schmuckstück des Abends, der Schwäbische Posaunendienst, gespielt. Die etwa 12 Mann bläserstarke Gruppe, die auch wieder unter der Leitung von Hans-Ullrich Nonnenmann stand, hat einfache Choräle in einen Genuss für jeden Musikliebhaber verwandelt und auch die verschiedenen Fantasien, die gespielt wurden, waren musikalische Schmuckstücke. Dabei wurde hier die Professionalität der Musiker deutlich und sogar ein musikalischer Laie muss gemerkt haben, dass hier Profis am Werk waren.

Als nächstes hat das Trumpet Art Ensemble gespielt und im Gegensatz zum schwäbischen Posaunendienst waren hier auch Frauen in der etwa gleichgroßen Gruppe involviert. Das Besondere an diesem Ensemble ist, dass sie, wie der Name schon sagt, nur mit Trompeten spielen. So kann man von der alten Barocktrompete über die Piccolo-Trompete bis hin zur Basstrompete alles sehen und hören.  Deshalb fand ich es auch etwas schade, dass die Musiker bei ihrem letzten Stück eine Posaune eingesetzt haben, die nicht zu den Trompeten gehört. Außerdem war das besagte letzte Stück, die „Verdisage“, deutlich zu lang. Mit ihren guten zehn Minuten war das eigens für die Gruppe komponierte Stück, das aus einer Zusammensetzung von Teilen der Opern Verdis besteht, wirklich schön, aber so lang, dass man sich am Ende nicht mehr auf die Musik konzentrieren konnte. Trotz allem hat man auch hier gehört, wie anspruchsvoll die Stücke waren, und dementsprechend, wie professionell die Musiker ausgebildet sind.

bir5Nach dem Trumpet Art Ensemble kam ein weiterer Höhepunkt an die Reihe. Das Struggle Orchester hat den Stummfilm „Die Puppe“ von Ernst Lubitsch vertont. Der an sich schon sehr witzige Film wurde mit Untermalung von anspruchsvoller und sehr passender Musik zu einem Genuss für alle Beteiligten.

So geht es in dem Film um den Neffen eines reicheren Lords, der diesen dazu bekommen will, eine Frau zu heiraten, damit es endlich Erben gibt. Da der Neffe aber partout nicht heiraten will und ihm schon 40 Jungfrauen hinterherjagen, flüchtet er sich ins Kloster. Dort bekommt er ein Schreiben von seinem Onkel, dass er 300 Gulden als Mitgift bekommt, wenn er doch endlich heiraten würde. Damit die Mönche sich von diesem Geld wieder neue Brathähnchen kaufen können, überreden sie den Neffen dazu, dass er eine Scheinehe mit einer Puppe eingeht. Diese hat der Puppenmeister nach dem Vorbild seiner Tochter erstellt und als der Lehrling die richtige Puppe kaputt macht, spielt die Tochter die Puppe und heiratet somit den Neffen. Die ganze Zeit über spielt sie die Puppe und kommt dadurch in sehr witzige Situationen, bis der Neffe am Schluss merkt, dass er doch keine Puppe geheiratet hat.

Die Situationen, die durch diese Fügung entstehen, wurden von der Musik des Struggle Orchesters noch mal hervorgehoben und obwohl der Film etwa eine Stunde lang dauerte, konnte man sich doch super auf das Geschehen konzentrieren. Allerdings ließ die Konzentration dann beim letzten Beitrag des Abends etwas nach und viele Leute gingen auch nach dem Film.

bir1So hatte der Hohenloher Brass, der zusammen mit dem Pfarrer von Forchtenberg eine Diashow zum Thema Zeit vertonte, nicht mehr ganz so viele Zuschauer. Während der Pfarrer sehr schöne Texte zum Thema vorlas, spielte der Chor passende Stücke, die mit der Diashow untermalt wurden. Das Ganze war ein sehr schöner Ausklang für einen wunderschönen Abend und hatte auch nochmal einen Denkanstoß gegeben, mit dem man sich um circa 0:30 Uhr auf die Heimreise begeben konnte.

Passend zu dem musikalischen Abend gab es in der Bewirtung für den größeren Hunger unter anderem Rote im Brötchen oder Flammkuchen. Dazu konnte man ein Glas Wein genießen und den Musikern zuhören.

In den Pausen gab es genug Zeit, sich entweder die Instrumentenausstellungen der verschiedensten Blechblasinstrumente anzuschauen oder sich die, leider etwas vernebelte, Landschaft um die Ruine herum anzuschauen.

Mit den circa 300 Besuchern mussten sich die Veranstalter auch keine Sorgen um leere Stühle machen, stattdessen durften noch drei Reihen angebaut werden, da die Plätze im Gewölbekeller ausgingen.

So ging nach musikalischen Highlights ein sehr schöner Abend zu Ende, der gerne wieder stattfinden darf und den auch gerne ein jüngeres Publikum besuchen darf.

Vielen Dank an das Brass in the Ruins Team für einen tollen, mal etwas anderen musikalischen Abend.

Text und Fotos: Verena Bächle

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