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Venus-Projekt: Fragen an Bia von »ararat«

18 Januar 2010 Eingestellt von: Gerhard 598 klicks Ein Kommentar

Das Interview mit Bianca Poppke, der Sängerin von Ararat, war ursprünglich schon für den Christmas Rock geplant, musste aber aus terminlichen Gründen auf später verschoben werden.

Die Fragen stellte Stephi

18Denkst du, dass es zu wenig Mädels im Rockbusiness gibt – und wenn ja – warum denkst du, ist das so?

Im Internet habe ich eine Studie über Frauen und Rockmusik gelesen. Demnach sind von 100 Musikern zehn Frauen. Von diesen wiederum sind 80% Sängerinnen, 10% Keyboarderinnen, 5% Bassistinnen, 3% Gitarristinnen und 2% Schlagzeugerinnen. Mädels sind also trotz Sängerinnenboom durch Juli, Silbermond, Zweiraumwohnung, Wir sind Helden und Co noch immer ziemlich unterrepräsentiert in der Rockmusik. Das gilt für christliche und säkulare Rock-Musik gleichermaßen.

Schwer zu sagen, warum das so ist. Warum interessieren sich überwiegend Jungs für die Bundesliga, warum gibt es kaum Rennfahrerinnen, wo sind die berühmten weiblichen Dirigentinnen, warum stehen bei harter Rockmusik fast nur Jungs in den ersten zehn Reihen? Es gibt trotz zunehmender Gleichberechtigung anscheinend immer noch Dinge, die Jungs lieber machen als Mädels und umgekehrt.

19Vielleicht ist es einfach eher ein Jungs-Ding, sich im Teenageralter ein paar Kumpels zu schnappen und jede freie Minute im Probekeller abzuhängen. Sich reinzufuchsen in die Instrumente und durch harte Arbeit immer besser zu werden. Und nach ein paar Jahren dann raus zu gehen und Leute zu mobilisieren, ein Konzert mit ihnen zu machen. Fest steht, dass es in der deutschen christlichen Musikszene sehr wenige Rockbands mit Frauenbeteiligung gibt. Dass es noch weniger Frauen gibt, die die Songs für ihre Band arrangieren oder andere Bands coachen. Es gibt aber sehr wohl einige hervorragende Solokünstlerinnen mit sanfteren Tönen und toller Ausstrahlung.

Wie ist es für dich, als einzige Frau in einer Band zu spielen?

Toll! Ich mag meine Jungs! Prinzipiell ist es aber doch egal, welches Geschlecht die Bandkollegen haben. Es muss passen, man muss sich mögen. Christian, der damalige Sänger von ararat hatte mich sehr zum Musikmachen ermutigt. Begleitet wurden meine ersten Solo-Versuche dann von Hanse, dem ararat-Keyboarder. Nach Christians Unfalltod haben mich die ararat-Buben dann gefragt, ob ich nicht bei Ihnen singen mag. Jetzt sind wir schon 15 Jahre zusammen unterwegs. Die Jungs sind erwachsene Männer und werden trotzdem immer „meine Jungs“ bleiben. Ich bin sehr dankbar für diese Wegbegleiter.

k-k-Ararat (1)Was denkst du, ist der Vorteil als Frau im Rockbusiness?

Vielleicht, dass die männlichen Musikerkollegen nicht zicken, unkompliziert sind und wenig wert auf deine Klamotten legen. Aber ich denke, es ist wichtiger, dass Frauen IHRE Vorteile mit ins Musikbusiness bringen. Wenn ich auf ein Konzert gehe und die Musiker und Musikerinnen sind mir sympathisch und reden ganz persönlich von ihren Erlebnissen und Gefühlen, dann spricht mich das an. Und ich denke, Frauen können ganz viel Gefühl in ihre Lieder legen. In den Gesang und in die Texte. Freude und Schmerz und Sehnsucht, die beim Publikum ankommen. Und die Leute berührt.

Denkst du, dass es da auch Nachteile gibt?

Das Geschleppe von Boxen und Co ist als Frau wirklich kein Zuckerschlecken. Das scheint den Herren weniger aus zu machen.

Wenn du dich mit deinen Bandkollegen streitest, um was geht es da meistens?

Man hat bestimmte Erwartungen an den Anderen. An sein Verhalten, seine Motivation und seine Fähigkeiten. Wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden, ist man enttäuscht oder frustriert. Wir streiten uns eigentlich nicht. Aber wenn die eigenen Erwartungen nicht erfüllt werden, kann es schon mal zu Enttäuschungen kommen.

k-k-Ararat (9)Welche Rockband mit weiblichen Bandmitgliedern würdest du zurzeit besonders empfehlen?

Die Frau mit der tollsten Ausstrahlung, die ich live erlebt habe, ist Sarah Bettens von „K’s Choice“. Ich mag ihre Art, ihre tiefen Texte und ihre Stimme einfach gerne. Die Gruppe macht 2010 einen Neuanfang. Ich bin sehr gespannt, wie mir das musikalisch gefällt. Judith Holofernes von „Wir sind Helden“ schreibt einfach tolle Texte. Im Bereich christlicher Musik höre ich derzeit eher Bands mit Herrenbeteiligung. Aber ich schätze ganz unterschiedliche Sängerinnen aller Musikrichtungen, z.B. Point of Grace, Bethany Dillon, Tammy Rochelle, Sarah Brendel, Jennifer Knapp, Pamela Natterer, Sarah Kaiser, Thea Eichholz, Rebecca St. James…

Grüße?

Ich grüß alle Mädels, die gerne Musik machen und Lust auf eine Band haben. Traut Euch, Mädels, und ruhig auch ran an die Instrumente! Arbeitet an Euch, lasst Euch coachen, verbessert Eure Technik! Ein paar Mädels-Rockbands, die ordentlich was drauf haben, das wäre doch mal ein Ding!

k-k-Ararat (21)Dankeschön!

Stephi

Mehr zu ararat gibt es – hier.

Fotos von Stephi und Sarah

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1 Kommentar »

  • herren klamotten schreibt:

    herren klamotten…

    Klasse Beitraege zu dem Thema. Es gibt scheinbar doch noch Menschen die gut zu schreiben wissen. Na ja – das Talent ist auch nicht jedem gegeben. Man muss sie nur finden ;-) Werde die Seite auf jeden Fall in meinen Favoriten aufnehmen….

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