Interview mit Tilman Ziegler (2)
Von Gerhard
Hattest du dort auch Möglichkeiten, Musik zu machen?
(Lacht) – Sehr gute Frage übrigens! – Es war ganz witzig. Als ich in Kanada angekommen bin, hatte ich keine Möglichkeit. Das hat mich dann schon ein bisschen runter gezogen, denn ich hab das Musizieren doch sehr vermisst.
Angefangen habe ich dann einfach als Straßentrommler. Da war eine große Kunstausstellung in ganz Toronto. Da wurden Licht-Installationen und Beamer-Installationen gemacht. Am „Dundas Square“, das ist der Times Square von Toronto, waren zwei Trommler zu Gange. Die hatten da nur ein paar Eimer und haben da eben zusammen getrommelt. Da hab ich gedacht: Oh, ich würde auch so gerne trommeln!
Meine Mitbewohnerin hat sich das natürlich nicht zwei Mal sagen lassen, ist zu dem einen Musikanten hin und hat gesagt: „Hey, ich hab da jemanden, der würde gerne trommeln.“ – Und dann war ich in der Sache drin. Der Kanadier hat gleich gesagt: „Auf jeden Fall! Nimm Platz und trommle mal los!“ Dann habe ich da auf der Straße mit den Straßentrommlern zusammen getrommelt. Und das war, glaube ich, das größte Publikum, vor dem ich jemals gespielt habe, denn in dem ganzen Gebiet waren viele Leute, die dort rum gelaufen sind – und das hat jeder gehört, weil es eben super laut war.
Das war dann der erste Gedanke: „Wow – ich vermisse doch einfach mein Drumset sehr!“ Aber dann hat sich das noch zum Guten gewendet, weil wir im Universitätsgebäude auch ein Tonstudio hatten. Da war ein Piano und ein Drumset drin. Ich hab dann mit dem Lehrer gesprochen. Der hat dann gemeint: „Wenn da keine Klassen oder Projekte drin sind, die was aufnehmen, geht das auf jeden Fall. Dann kannst du das ganze Ding buchen und kannst trommeln, so viel du willst!“
Das war ein schalldichter Raum. Und das war super. Ich hab da dann Nächte verbracht und hab dann einfach über Nacht getrommelt.
Und so Band mäßig ging da dann nichts?
Das war schwer, denn das war dann doch so ein bisschen eine kurze Zeit. Ich hab zwei Songs mit ner Klassenkameradin aufgenommen. Sie hat Gitarre gespielt und dazu gesungen. Das kam auch so aus dem Jammen heraus, weil wir da einmal zusammen gespielt hatten. Da kam die Idee, mal was zusammen aufzunehmen, was wir dann auch gemacht haben.
Für ein paar andere Stundenten, die so allgemein was aufgenommen haben, habe ich auch ein bisschen was eingespielt. Es gibt also ein paar Songs, die „Made in Canada“ sind. (Lacht)
Kann man da mal was davon hören irgendwo?
Bis jetzt noch nicht, weil das Semester noch nicht zu Ende ist. Das ist erst im März aus. Die haben das jetzt aufgenommen und werden es noch mixen und mastern. – Aber wenn was kommt, lasse ich es dich wissen.
Wunderbar, da freue ich mich schon drauf! – Gibt es sonst noch was, das du von Kanada deinem Publikum bzw. deinen Fans sagen möchtest?
Ich kann Kanada sehr, sehr empfehlen! Es ist wirklich ein wunderschönes Land. Wunderbare Menschen leben dort. Man wird super herzlich aufgenommen. Wer die Möglichkeit hat, sollte auf jeden Fall hin gehen, sich aber darauf vorbereiten, dass es im Winter ganz, ganz arg kalt wird! (Lacht)
Wie bist du nach deiner Rückkehr von der Band Dui Pfeifel aufgenommen worden?
Das war so super! Ich konnte es nicht abwarten. Ich bin freitags gelandet – und montags ist immer unser Probetag. Da bin ich natürlich hin und es war so: „Schön, dass du wieder da bist!“ – „Endlich kann’s wieder losgehen!“ Ich hab meinen ganzen Bandkollegen noch „I love New York“ – T-Shirts mitgebracht aus New York, weil ich dachte: Ohne Geschenk kommt man nicht nach Hause!
Und dann war es so, als ob der Aufenthalt im Ausland nicht gewesen wäre! Das war ganz komisch. Wir sind alle an unsere Instrumente. Anfangs war es noch so ein bisschen „Wie ging das noch mal?“ und „Haben wir das früher so gespielt?“ oder „Ist das zu schnell oder zu langsam?“ Aber innerhalb der ersten Stunde war das wieder weg. Und dann waren wir alle wieder im selben Strom – und jetzt machen wir sofort Konzerte. Es war wirklich so, als wenn ich nie weg g
ewesen wäre! Das war verrückt, aber es war echt ein Traum.
Das habe ich schon sehr vermisst, meine ganzen Bandsachen.
Und das ist jetzt der erste Auftritt, seit du wieder da bist?
Nee, das ist der dritte jetzt schon. Wir haben eine Woche nach meiner Rückkehr schon in Gerabronn gespielt. Das war so ein Faschings-Band-Contest. Dann haben wir letzten Donnerstag bei der SAE-Night in Stuttgart gespielt. Das war das Kurzfristige. Und heute spielen wir nun hier (im Club Live in Wendlingen).
Vielen herzlichen Dank! – Gerhard
MySpace: www.myspace.com/tilwhip
Thumbnail: Gerhard/Musik Für Uns
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