Interview mit Tilman Ziegler (1)
13 Februar 2010 Eingestellt von: Gerhard 534 klicks Keine Kommentare
Von Gerhard
Vor dem Konzert im Club Live in Wendlingen am 06.02.2010 nahm sich Schlagzeuger Tilman Ziegler von Dui Pfeifel Zeit für ein paar Fragen.
Du warst die letzten Monate im Ausland…
Ich war in Kanada (Nord-Amerika).
Ziemlich weit weg! – Wie bist du da hingekommen?
Das war so: Da ich an der HDM, der Medienhochschule in Stuttgart, studiere, hatte ich es immer schon in meinem Hinterkopf, dass ich ins Ausland möchte. Das war aber eine zwiespältige Sache wegen meinen ganzen Bands und den Projekten, die ich hier in Deutschland so habe. Es ist nicht einfach, wenn ich länger weg bin und das nicht weitermachen kann. Das war dann immer so ein bisschen ein Hin und Her.
Dann ging die Bewerberphase los für ein Auslands-Semester. Kanada hat mich schon immer gereizt. Ich war noch nie zuvor in Kanada. Ich hab nur Freunde da gehabt und super schöne Sachen über das Land gehört. Wir haben ne Partner-Hochschule in Kanada. Zum Glück habe ich dann auch noch ein Stipendium bekommen. Dann war die Entscheidung eigentlich geritzt.
Natürlich war das ein bisschen schwer mit den ganzen Bands, aber es war super, denn jeder hat gesagt: „Diese Chance kriegst du nicht jede Woche! Geh nach Kanada. Und die fünf Monate – im Winter läuft sowieso nicht so viel – die kriegen wir rum. Und wenn du dann wiederkommst, dann geht’s wieder Vollgas los. Dann spielen wir wieder Konzerte.“
Klasse Sache! – Und, wie ist es da so im Vergleich zu Deutschland?
(Lacht) Es ist unglaublich! Also erstmal unglaublich anders, weil so eine Nettigkeit, wie die Kanadier sie haben, so leid es mir tut, aber die gibt es hier einfach nicht! Am Anfang, als ich dort angekommen bin, war wirklich jeder total offen, total nett. Ich war echt beeindruckt von der Nettigkeit. Man wird so offen behandelt, man wird so herzlich aufgenommen.
Wenn man wie ich ein ausländischer Student ist und am Anfang einfach nur ein Tourist und sich nicht auskennt, dann ist das wirklich so: Man steht keine zwei Minuten an der Straße mit ner Karte in der Hand – und die Kanadier kommen her und sagen: „Brauchst du irgendwas?“ „Was machst du hier?“ Und dann beginnt so ein Small Talk, wo der Funke gleich überspringt. Wo man sich nicht gleich so unsicher sein muss. Sondern es ist wie: „Schön, mit dir geredet zu haben!“
Und alle sind super hilfsbereit. Es hat keinen Monat gedauert, dann habe ich mich wie zu Hause gefühlt. Ich habe mich nie unwohl gefühlt, denn man wird so warm aufgenommen von den ganzen Kanadiern. Unglaublich! – Wunderschön, und halt doch auch ein bisschen anders als Deutschland. Das alles war sehr beeindruckend.
Hast du auch Leute getroffen, die Deutsch sprechen?
Ja! Da waren erstaunlicherweise ein paar deutsche Austauschstudenten mit dabei, die auch mit mir im selben Studentenwohnheim gewohnt haben. Die waren aus Berlin, Hamburg – ein paar waren auch aus Stuttgart. Das war dann so ne wilde Truppe von Austauschstudenten.
Was hast du da konkret studiert?
Ich hab dort Radio und Fernsehen studiert. Das ist im Grunde dasselbe, was ich hier studiere, nur heißt es hier „audiovisuelle Medien“. Dann habe ich meine Kurse belegt. Wir haben einmal eine TV-Produktion gemacht. Wir haben da ein Basketballspiel unserer Universität live übertragen. Das kann man sich so vorstellen, wie wenn die ARD ein Deutschlandspiel überträgt. Da wird kommentiert, dann gibt es irgendwelche Logos, verschiedene Kameras, verschiedene Interviews…
Dann haben wir noch zwei Dokumentationen gedreht. Einmal über die Musikszene von Toronto. Das war ganz cool. Wir haben halt verschiedene Bands angeschaut: Cover-Bands, Karaoke, elektronische Musik, Straßenmusik. Es gibt dort in Toronto sehr viele Straßenmusiker, die wirklich super gute Musiker sind. Das war interessant. – Das andere war über ein 16-jähriges Model, das bei der Fashion Week gelaufen ist.
Dann habe ich noch einen Audio-Kurs belegt, wo wir nur noch Radio gemacht haben. Das war ganz cool. Wir haben da ein bisschen „German Radio“ gemacht. (Lacht)
Klasse! – Du bist dort also im Wohnheim untergekommen…
Ja, es war so ein Studentenwohnheim. Das war eigentlich ein Hochhaus voller Studenten. Das war ganz cool. In Toronto gibt es allgemein im Zentrum, also Downtown, nur Hochhäuser, denn im Winter spielt sich alles drinnen ab. Es gibt riesige Einkaufshallen, wo man den ganzen Tag verbringen kann – und man sieht kein Tageslicht. Weil wirklich alles „innen“ ist. Weil es im Winter dort wirklich kalt wird.
Das war also ein Riesen Hochhaus mit rund 700 Studenten oder so. Die meisten Austausch-Studenten waren auch im Hochhaus, das war dann immer echt super. Der eine hat gekocht, der andere hatte Geburtstag, wieder einer hat noch ne andere Party geschmissen. Da war man immer total beschäftigt und hatte seine kleine, neue Familie immer bei sich. Nur drei oder vier Stockwerke voneinander entfernt.
Zur Fortsetzung geht es HIER.
MySpace: www.myspace.com/tilwhip
Thumbnail: Gerhard/Musik Für Uns
Thumbnail: Gerhard/Musik Für Uns






Kommentar hinterlassen