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D:PROJEKT: Daniel Wendt – Schlagzeug

12 Dezember 2009 Eingestellt von: Gerhard 807 klicks Keine Kommentare

Stehlampe 29-11-2009 -B 038 - 600Das Interview fand im Rahmen von Ilses Stehlampenrock am 29.11.2009 in Neuffen statt.

Name, Vorname, Nickname:

Meine Damen und Herren, wir haben heute einen besonderen Gast im Studio. Den Schlagzeuger von D:PROJEKT aus Dresden: Daniel Wendt heißt er. Sein Nickname ist Dani.

Alter, Wohnort, Beruf bzw. Ausbildung:

Ich wohne in Dresden, bin 30 Jahre alt und bin Freiberufler als Musiker. Ich gebe hauptsächlich drei Tage in der Woche Schlagzeug-Unterricht an einer ganz normalen Musikschule. Dazu habe ich noch eine private Schlagzeugschule in Dresden. Außerdem habe ich noch ein Nebengewerbe, ich vermiete Tourbusse. Hauptsächlich an meine eigene Band, aber auch an andere Bands. Da ich jetzt einen zweiten Bus habe, sind immer wir und noch jemand anderes sozusagen unterwegs.

Was muss man sich unter einem Tourbus vorstellen?

Unter einen Tourbus? Ja, das geht wahrscheinlich Vielen so. Meine Firma heißt »Tourbus Event« und ich kriege diese Frage wirklich immer wieder gestellt. Im Prinzip ist das einfach ein Sieben- bis Neunsitzer Bus, nur so groß, dass man hinten eine Trennwand drin hat und sogar noch ein Bett. Und dann kann man halten hinten die Instrumente rein laden, die sind durch die Wand sicher getrennt von den Sitzen, die davor sind. Dazu gibt es noch ne Play Station, damit man unterwegs Videos oder DVDs gucken und spielen kann.

Also so etwas Ähnliches wie ein Campingbus, oder?

Jein, denn man hat kein Klo oder ne Waschgelegenheit drin, sondern das ist ganz normal wie in einem VW-Bus, in dem man drei Reihen hat, nur dass der eben wie so ein großer Sprinter aussieht. Und diese Tourbusse kann man halt noch mit einem normalen Führerschein fahren. Das ist ein 3½-Tonner und sieben Meter lang oder so. Und der ist einfach gemütlicher eingerichtet als ein normaler Bus. Und man kann halt wie wir, wenn man jetzt so mit sieben, acht Leuten reist, mit allen in einem Auto fahren und trotzdem noch jede Menge Instrumente mitnehmen. Das ist einfach ein Vorteil. Man muss nicht mehr mit dem privaten PKW irgendwo hin fahren. Man reist halt komfortabel und hat alles dabei.

Und bei Tourbussen geht es ja bis da hin, dass es die großen „Nightliner“ gibt. In der Größe wie ein Reisebus, und dann sind da auch Betten und alles Mögliche drin. So einen großen Bus habe ich aber noch nicht.

In der Band spiele ich:

Schlagzeug.

Frühere Bands, an denen ich beteiligt war:

Oh, da gibt’s eigentlich nur, dass ich als Teeny schon angefangen habe, in einer Lobpreisband zu spielen mit meinem Papa und meinen Geschwistern. Und dann hab ich mal ein einer englischsprachigen Mainstream Band gespielt. Auch sehr lange, so sechs bis sieben Jahre. Und dann bin ich hier ins D:PROJEKT gekommen.

Musikalischer Werdegang:

Das ist eine lange Geschichte. Da wir aus einer musikalischen Familie kommen, hab ich eigentlich im Vorschulalter schon angefangen, Lieder zu singen und zu klatschen, Flöte zu spielen. Dann hab ich mit 5½ angefangen, Geige zu lernen. Hab das so sieben, acht Jahre lang so richtig an der Musikschule gemacht. Dazu Theorie-Unterricht, so richtig volle Kanne, volles Programm! So mit zwölf Jahren habe ich noch zwei Jahre lang Gesangsunterricht genommen. Mit 13 oder 14 Jahren habe ich angefangen, Schlagzeug zu spielen. Hab damals noch ein halb selbst gebautes Ding bemalt und so – das war ganz interessant.

Ich war dann an der Musikschule, hab dort einen Abschluss gemacht und als Lehrer angefangen. Hab dann noch Weiterbildung gemacht, indem ich in München an einer europäischen Schlagzeugschule war. Das ist eine freie, also private Schlagzeugschule, aber dort gehen bis heute ganz viele Profimusiker hin und nehmen Unterricht, die im Popular- und Tanzmusik-Bereich arbeiten. Also keine klassische Ausbildung, sondern schon so Rock / Pop / Jazz, so die ganze Musik da. Dort war ich noch ein paar Jahre. Das ist eigentlich mein musikalischer Werdegang.

Daniel Wendt 1Musikalische Vorbilder sind:

Ich bin jetzt nicht so der Typ, der sich groß musikalische Vorbilder sucht und sie nachahmt. Ein Musiker, der mich sehr, sehr viele Jahre inspiriert hat, ist Ralf Gustke. Das ist der Schlagzeuger der Söhne Mannheims. Seine kreative Art entspricht einfach so meinem Typ, wie er Schlagzeug spielt. Deshalb ist das einer gewesen, da habe ich schon mit 16 oder 17 Jahren zu seinen CDs mitgetrommelt und versucht, mir so Sachen raus zu hören.

Zur Band bin ich gekommen wegen / durch:

Ich hab die Band gegründet. D:PROJEKT ist ja entstanden aus der englischsprachigen Band, in der ich vorher war. Ein paar Musiker aus der alten Band (Bloody Tears) haben gesagt: Hey, wollen wir nicht ein neues Projekt gründen? Musikalisch ein anderer Stil. Die Texte wollen wir deutsch singen. Da wurden wir ein bisschen von Xavier Naidoo und Fanta 4 beeinflusst. Wir fanden es damals, das war so 2002, cool, wie der Xavier auch „religiöse“ Texte in Deutsch verpackt hat.

Meine Hobbys sind:

Mein Hobby ist auf jeden Fall Fußball spielen, auch wenn ich das fast nie kann, weil es für mich als Schlagzeuger zu gefährlich ist, da ich halt meine Hände UND meine Füße zum Spielen brauche. Als Teenager habe ich jahrelang liebend gerne Fußball gespielt.

Mein Hobby ist auf jeden Fall auch Musik, auch wenn das mein Beruf ist. Musik hören. Ansonsten ist es schon mehr Berufung als Hobby. Ich bin in einer Gemeinde in der Leitung tätig. Wir sind schon lutherisch geprägt, sind aber eine freie Gemeinde. Da gibt es einen Verein – und da bin ich seit neuestem Erster Vorsitzender. Ich mache das alles ehrenamtlich – und das ist schon so ein bisschen Hobby oder Leidenschaft: Vereinssachen zu machen, zu Leiten, Sachen voranzubringen, Leute zu motivieren. Leuten zu helfen…

Wenn ich zum Essen eingeladen werde, wähle ich:

Ich versuche mich immer schnell zu entscheiden, um den „Entscheidungsmuskel“ zu trainieren. (Lacht) Das habe ich in irgendeinem Seminar gehört, dass das gut sei, wenn man das immer wieder trainiert und nicht ewig überlegt und nicht weiß, wohin. Deswegen: ich esse sehr, sehr gerne Nudeln. So Band-Nudeln oder auch normale Nudeln, Spaghetti Bolognese. Und sonst würde ich noch Pizza wählen.

Beim Trinken sage ich nicht nein zu:

Ich trinke sehr gerne Wein und unterhalte mich. Treffe mich gern mit Freunden und so. Stilvoll, mit Kerzenschein und guter Jazz-Musik und so… Ich trinke kein Bier. Ich bin wirklich überhaupt nicht so ein Mensch, der mit der Bier-Pulle irgendwo rum sitzt und trinkt. Keine Ahnung, warum. Ich finde das irgendwie nicht ästhetisch. (Lacht) Obwohl meine Band-Kollegen… – in der Musik hat man ja ständig damit zu tun.

Im Kino / TV schaue ich gerne:

Ich schaue liebend gerne solche FBI-Agenten-Filme, das finde ich Hammer. So wie „Staatsfeind Nr. 1“. Verschwörungen, dubiose Geschichten. Oder richtig alte Western – Winnetou und Old Shatterhand und so. Darauf stehe ich auch. Ich kann überhaupt keine Psycho-Filme leiden. Oder irgendwelchen Science Fiction Mist. Da mag ich überhaupt nicht.

Im Radio / von CD höre ich gerne:

Ich höre sehr, sehr gerne R´n´B Musik. Ich höre auch gerne sehr rockige Lobpreismusik. Hillsong United ist seit vielen Jahren eine Band, die mich begeistert. Einfach die kraftvolle, powervolle Emotion. Und ansonsten höre ich – da bin ich wirklich fanatisch – jede Musik gerne, wo ein sehr guter Schlagzeuger spielt. Selbst wenn das eine Kinder-CD ist. Wir haben da in der Gemeinde so eine, das ist richtig gut produzierte Kinder-Musik – und da ist ein Super-Schlagzeuger, der das sehr kreativ richtig professionell begleitet. Dann höre ich auch so was gerne.

Stehlampe 29-11-2009 -B 039 - 600Bist du nach irgendetwas süchtig? (Alkohol, Nikotin, Schokolade, Internet…)

Nein! Weder nach Alkohol, das hab ich schon ein bissel erzählt, noch nach Nikotin, noch nach Schokolade, noch nach Internet. Ich bin eigentlich nach nichts süchtig. – Es ist nicht so, dass man nicht mal Sachen hat, in die man sich so richtig reinsteigern könnte. Aber mir persönlich als Mensch ist es irgendwie total wichtig, das nicht zu übertreiben, immer wieder die Kurve zu kriegen.

Ich bin zum Beispiel Fan von Dynamo Dresden. Das fing schon als Kind an, als die nach der Wende noch in der Bundesliga waren. Und da gab es mal auf Cola-Dosen alle Bundesliga-Mannschaften. Und die haben wir gesammelt, weil der Name „Dynamo Dresden“ mit dabei war. Und hatten dann von allen eine Dose – und von Dynamo Dresden eben fünf oder zehn. Und dann haben wir die aufgestapelt. Das hat sich irgendwie bis heute durchgezogen. Und dort ist es bis heute irgendwie genauso: Wenn ich beobachte, dass sie viel verloren haben, nimmt mich das schon emotional mit. Dass ich sagen könnte: So ein Mist, das kann doch wohl nicht sein!

Ich bin aber so ein Typ: Wenn ich dann merke, das nimmt mich zu sehr mit, nimmt meine Gedanken ein, ich ärgere mich zu sehr darüber, dann gibt’s nur Abstand. Dann guck ich nicht mehr auf die Homepage oder sage mir: Jetzt reden wir mal ne Weile nicht mehr darüber, weil ich das nicht mag, wenn mich irgendwelche Dinge in meinem Leben zu sehr beeinflussen in meinen Gedanken, in meinem Handeln und in meiner Laune. Wenn ich merke, meine Laune ist davon abhängig und ich bin dann zu jemandem unfreundlich, dann finde ich das blöd.

Bei welchem historischen Ereignis wärst du gerne dabei gewesen?

Oh, das ist ne krasse Frage!

90% sagen „beim Mauerfall“.

Mauerfall, ja, das hätte ich übrigens auch gleich als Erstes gesagt. Ich glaube, ich war Zwölf, als die Mauer gefallen ist. Wir waren auf dem Dorf, gerade umgezogen. Wir hatten davor in der Nähe von Leipzig gewohnt, da hätten wir das viel mehr mitgekriegt. Wir sind aber zwei Jahre vorher nach Reichenbach – das ist so zwischen Dresden und Bautzen da hinten die Ecke – umgezogen und haben dann dort gewohnt. Wir haben das nur bei Nachbarn im Fernsehen gesehen. Aber in Berlin oder Leipzig wäre ich schon gerne dabei gewesen.

Natürlich ist klar, warum: Weil man Geschichte geschrieben hat. Weil man diese Emotion hatte – und die haben wir schon zu Hause bei uns als Kinder mitgekriegt. Ich zumindest in meinem Alter schon. Ich hab bis heute die Bilder vor mir, wo die Autobahn voll war, alle im 30 oder 40 Kilometer langen Stau standen, alle an der Grenze waren, weil sie beschlossen hatten, mit ihrem Trabbi oder Wartburg mal rüber zu fahren. Das habe ich bis heute nicht vergessen, das hat sich bei mir schon eingeprägt als Kind. Weil das schon ein echtes Wunder war, also für mich schon irgendwie so ein Wunder, das Gott unserem Land geschenkt hat. Dass das so funktioniert hat, ohne dass was passiert ist.

Das gibt es auch sonst nirgends auf der Welt.

Ja, schon, das ist für mich bis heute keine Selbstverständlichkeit. Und ein Riesen Geschenk. Weil man sieht das ja an Ländern wie Südkorea, Nordkorea oder Zypern, wo die Leute bis heute getrennt sind, oder der ganze Konflikt Israelis – Palästinenser, wo sich die Trennung ja auch durch Familien durchzieht. Diese Trennung, weil die dort ja auch so ne Mauer gebaut haben, und weil wir das ja selber erlebt haben, was das bedeuten kann. Klar, ich war zwar nie live mit den Leuten dabei, aber so ein bissel…

Das ist auch etwa so wie im Stadion, wenn man erlebt, wie sich ein Riesen Menschenmenge für etwas begeistert und für etwas einsteht. Und das war damals ja quasi noch mit viel größeren Folgen. Da wäre ich sozusagen gerne in Leipzig gewesen. Wahrscheinlich in Leipzig noch lieber als in Berlin, wo die das mit den wöchentlichen Montagsumzügen vorangebracht haben.

Die Leute sagten früher zu mir:

Oh, das ist ne ganz interessante Frage! Da muss ich direkt mal überlegen! (Lacht) Was da hängen geblieben ist? – Negativ ist zum Beispiel hängen geblieben: Ich bin ja in ner Pfarrersfamilie aufgewachsen und hab da Schlagzeug gespielt. Und das war je früher in der Kirche unvorstellbar. Bei mir war das Witzige: Ich hab dann noch in der Kirche geübt! Und ich hab jeden Tag ein, zwei Stunden geübt – und war ja quasi mitten auf dem Friedhof dort und hab die Leute genervt. Und dann haben die Leute dort, schon wenn ich das Schlagzeug aufgebaut hab, zu mir gesagt: Das Schlagzeug ist zu laut! Das ist viel zu laut! – Obwohl ich noch gar nicht gespielt habe! Aber das war schon so die Grundeinstellung: Wenn ein Schlagzeug da steht, ist es zu laut! Und das wird mich wohl ein Leben lang begleiten: „Das Schlagzeug ist zu laut! Kannst du nicht mal leider spielen?“

Wenn ich ein Konzert hatte oder irgendeine Veranstaltung, wo ich gespielt habe… Ich hab ja viel in Kirchen gespielt, und schon wenn du das Schlagzeug rein getragen hast und die alte Oma oder der alte Opa oder der Küster (Mesner) oder der Hausmeister hat das gesehen, dann ging da schon die Hutschnur hoch und sie sagten: „Das Schlagzeug ist zu laut! Wie wollt ihr denn hier in der Kirche ein Schlagzeug aufbauen? Ihr wollt hier doch nicht wirklich mit dem Schlagzeug spielen?“

Meine Eltern haben oft zu mir gesagt, dass sie mich lieb haben, und ich habe mich dadurch angenommen gefühlt und nicht nutzlos und wertlos. Das ist eher so ein Feeling, was ich da mitgekriegt habe von meiner Mama und von meinem Papa.

Mein schönstes Band-Erlebnis:

Mit meiner vorigen Band hatten wir zwei Mal, 1996 und 1999, so ne geniale Urlaubs-Konzert-Tour in Amerika. Das wird auf jeden Fall ein Leben lang eine Erinnerung für mich bleiben. Und mit D:PROJEKT war unser  erstes, geniales Konzert in Kassel bei einem riesengroßen Treffen von jungen Christen aus Europa. Da gab es einen Newcomer-Wettbewerb. Wir waren da total neu und haben da mitgespielt – nur einen Song. Es waren fünf Bands, jede durfte einen Song spielen. Es nannte sich „Grand Prix de Christival“ oder so. Und da haben wir gewonnen und durften dann zur Abschlussveranstaltung dieses Reisen Events im Kasseler Stadion dieses Lied spielen. Vor 20.000 Leuten oder so.

Das war natürlich ein super Erlebnis. Und das coole Erlebnis für mich war dann noch: Wir sind an dem Sonntag, an dem die Abschlussveranstaltung war, noch sehr früh, als es noch dunkel war, ins Stadion gegangen, wo schon die Bühne aufgebaut und alles so ganz dezent beleuchtet war. Man hat uns gezeigt, wo wir spielen werden. Und wir genossen das Gefühl, mitten im Stadion zu stehen und auf die leeren Ränge zu gucken. Das war für mich ein total geniales Erlebnis.

Daniel Wendt 2Das würde ich mit der Band gerne noch erreichen:

Mit meiner Band in einem vollen Stadion spielen! Im Dunkeln bei Flutlicht. Das fände ich schön. Ansonsten würde ich mit meiner Band gerne eine Konzert-Tournee erleben mit einem richtig großen Nightliner. Eine oder zwei Wochen lang – und dann immer vor vielen Leuten spielen. Das ist schon mein bzw. unser Traum, weil wir das so noch nie erlebt haben.

Den Fans möchte ich noch sagen:

Dass jeder Einzelne wertvoll ist und nicht unbrauchbar oder ein Abfallprodukt, weil die Eltern aus Versehen miteinander geschlafen haben oder so. Es ist immer mein Ding, Leute zu ermutigen und zu sagen: He, mach was aus deinem Leben und schmeiß es nicht weg! Versuche, Verantwortung zu übernehmen für dich – und im Optimalfall vielleicht auch mal für andere Leute. Um etwas Gutes zu bewegen. Im Kleinen oder im Großen die Welt positiv zu verändern.

Vielen herzlichen Dank!

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