Bericht vom Rebstock Festival 2009 (2)
27 September 2009 Eingestellt von: Gerhard 155 klicks Keine Kommentare
Von Stephi
Die Zeit ging mal wieder viel zu schnell herum … schon standen wir wieder vor der Bühne, um uns den Ersatz von „Emil Bulls“ reinzuziehen: „Kissin’ Dynamite“. Man muss leider sagen, dass die Band nicht mal entfernt an Emil Bulls heran gekommen ist … Musikalisch eine gute Band. Bandmitglieder, die man auf der Straße auf jeden Fall wieder erkennen würde (das ist positiv gemeint – Wieder-Erkennungswert ist vorhanden), aber die Texte … Textlich ist die Band leider nicht sonderlich einfallsreich veranlagt. Während es im ersten Text um „Rock ist unsere Religion“ ging, ging es im zweiten um irgendein Groupie, das einem der Bandmitglieder hinter her gerannt ist und anscheinend ausgesehen hat wie ein Zombie und im dritten Song geht es dann darum, dass Hip Hop Schei** ist und Rock viel cooler. Themen sind okay, aber schlecht verpackt. Und das Gefühl in den Texten hat auch gefehlt. Musik und Texte müssen für mich persönlich auch immer eine gewisse persönliche Verbindung zu der Band herstellen können. Gewisse Emotionen, Gefühle und Geschichten (seien es schöne oder traurige) herüber bringen können. Man muss in Musik auch immer ein Stück von sich selber hinein geben, damit etwas Ehrliches und Gutes draus wird. – So hab ich oft das Gefühl. Die Songs von Kissin’ Dynamite kratzen leider nur an der Oberfläche.
Auch bei der Bühnenshow kam die Band sehr verstellt rüber. Sie waren nicht sie selbst. Das hat man einfach gemerkt. Fand ich schon ziemlich schade, weil musikalisch sind sie schon nicht schlecht.
Kommen wir aber nun zum vielleicht besten Teil des Abends: Die beiden letzten Bands – Coppelius und 4Lyn.
Coppelis war für mich die Überraschung des Abends. Ich kannte die Band nicht. Ich hatte keine Ahnung, was auf mich zukommt. Keine Ahnung, was für einen Musikstil diese Band überhaupt macht. Und das war auch gut so. Der Überraschungseffekt war einfach viel, viel größer.
Coppelius hatten die faszinierendste und einfallsreichste Bühnenshow des Abends. Man könnte fast sagen: Halb Show, halb Konzert.
Während die Bandmitglieder sich auf der Bühne bereit machten, aufbauten, die Instrumente (darunter zwei Klarinetten, Cello, Kontrabass …) stimmten und die Bühnendeko aufbauten, hatten sie alle schwarze Umhänge an. Man konnte ihre Verkleidung und ihre Schminke so nicht richtig sehen. Ein Foto samt Blitz, das geschossen wurde, während eines der Bandmitglieder das Mikro einstellte, ließ dann doch die Schminke erkennen. Hab mich auch erst ziemlich erschrocken, als ich das sah. Weil besonders „nett“ sah der nämlich nicht aus. Ich hoffe ihr versteht, was ich meine. Ganz weiß geschminkt, schwarzer Kajal, Augenbrauenverlängerung nach oben. Das lässt einen schon etwas schauriger aussehen.
Und noch kurz was zur Bühnendeko: Ein ganz altes Radio, vorne auf der Bühne. Ein alter Holzstuhl. Zwei alte Lampen, die am Schlagzeug hängen. Alles ziemlich auf alt gemacht. Sah aus wie die Inneneinrichtung eines Herrenhauses vor etwa schätzungsweise 100 Jahren (wenn es da schon Radios gab?).
Dann ging es los … Ein Mann kam auf die Bühne, verkleidet als Butler. Er dreht an einem Drehknopf und ihr kennt das ja, wenn man nach dem richtigen Sender sucht: Rauschen, dann kurz hört man ein bisschen was von dem Sender, dann von dem nächsten Sender und dann hat er das, was er sucht. Ein ganz bekanntes klassisches Lied folgte … Fragt mich nicht, wie das heißt und von wem das ist. Klassik gehört nicht zu meinen Spezialgebieten. Es hat mich an „Der Nussknacker“ erinnert. Der Versuch, den Song und den Interpreten ausfindig zu machen, hat bis jetzt noch nicht hingehauen … Aber das ist jetzt auch nicht so wichtig. Der Butler hat seinen Sender gefunden. Jetzt betreten langsam die weiteren Bandmitglieder die Bühne. Der Butler, Bastille genannt, voll in seinem Element stellt jedes Bandmitglied unterwürfig vor. Zu allen wird „Sie“ gesagt, auch zu dem Publikum. Das macht die Glaubwürdigkeit größer und man fühlt sich Jahre der Geschichte zurück versetzt. In die Zeit der Grafen und Adligen – man denkt an die großen Herrenhäuser.
Butler Bastille putzte während des Konzerts mit einem Staubwedel das Cello und den Kontrabass. Tupfte seinen Bandkollegen und „Herren“ die schweißnasse Stirn ab. Wie gesagt, voll in seinem Element.
Die weiteren Bandmitglieder haben auch sehr faszinierende Namen: Max Coppella (Klarinette und Gesang), Comte Caspar (ebenfalls Klarinette und Gesang), Nobusama (Schlagzeug, manchmal auch Gesang), Graf Lindorf (Cello und Gesang) und Sissy Voss (Kontrabass).
Die Musik ist eine Mischung aus Rock, Pop, Alternative, Hardcore. Manche würden es vielleicht auch als „Classic Metal“ bezeichnen. Aber einen richtigen Ausdruck, finde ich, gibt es so gar nicht für die Musik. „Classic Rock“ könnte man vielleicht auch sagen. Es ist jedenfalls eine ganz bestimmte Mischung.
Was auch eine sehr geile Aktion war, war, als einer der Klarinettisten von der Bühne herunter kam, direkt ins Publikum. Zwei Idioten (die muss man wirklich so nennen) auf dem sehr vollen Festivalplatz vor der Bühne haben dann gemeint, sie müssten ihn dumm anrempeln (die hatten offensichtlich schon einiges getrunken). Mit der Klarinette im Mund ist das jedenfalls keine gute Idee. Erst mal hätte er sich dabei verletzten können, zweitens ist so eine Klarinette auch nicht gerade billig. Nach einem bösen Blick regte er sich aber schnell wieder ab und ging weiter durch die Menge. Ich mit meiner Kamera in der Hand stand genau neben ihm und hab fotografiert. Dann schnappt er sich die Julia neben mir und ich durfte ein Foto machen! Besonders interessant war der Typ im Hintergrund, der übelst das Gesicht verzieht. Das Bild könnt ihr hier auf MusikFuerUns oder auf der MySpace Seite von MusikFuerUns bewundern. Ist wirklich sehr, sehr amüsant!
Nach 1 ½ Stunden war die Show dann aber auch wieder vorbei. Richtig toll und faszinierend! Zu der Band würde ich noch mal gehen. Und nicht nur mir scheint die Show gefallen zu haben. Ich hab sehr viele begeisterte Menschen im Publikum gesehen.
Und dann war es soweit: Nach dem Highlight in Sachen Show, ging es weiter mit dem Highlight in Sachen Emotion und Musik: 4Lyn. Diese Band schafft genau das, was Kissin’ Dynamite nicht schafft: Sie schaffen es, Gefühl und Emotion in die Songs zu stecken. Man merkt, da stecken persönliche Erfahrungen dahinter. Da steht die Band dahinter. Sie verkörpern einen Teil von sich selbst in der Musik. Sie treten in eine andere Welt ein, sobald sie auf der Bühne stehen und reißen ihr Publikum mit. So viel gesprungen, gepogt und „geheadshaked“ wurde den ganzen Tag nicht wie jetzt bei 4Lyn. Sänger Ron fegt mit einer Mords-Stimme über die Bühne. Einfach nur krass. Wer die Band noch nicht live erlebt hat, hat echt was verpasst. Hammer Texte, super Musik, geile Live-Band.
Mehr bleibt mir auch nicht mehr zu sagen. Rebstock Festival hat gerockt! Man freut sich auf 2010!
Stephi
Zum Fotoalbum von Stephi geht es – hier.





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